Flüchtlinge

Zelte für 15.000 Asylwerber

Zelte für bis zu 100 Personen, mit der Möglichkeit von Abteilungen, sollen die Quartierkrise lösen.Foto: dpa/Tittel
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Flüchtlingskoordinator Christian Konrad kämpft mit den Tücken der Bürokratie. Er erwartet, dass Tausende Plätze für Asylwerber in winterfesten Zelten gebraucht werden.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Christian Konrad glaubt nicht an Wunder. Ein solches müsste aber geschehen, damit die Länder in den kommenden Wochen ausreichend Quartiere für Asylwerber zur Verfügung stellen. Als Ausweg rechnet der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung und frühere Raiffeisen-Boss nun damit, dass in großem Stil winterfeste Zelte aufgestellt werden müssen. Am Mittwochabend sprach er von 15.000 bis 20.000 benötigten Plätzen.

Die Zahlen zur Asylkrise sprechen für sich – unabhängig vom Flüchtlingsstrom. der sich täglich von Slowenien kommend in Richtung Deutschland bewegt. Zum Stand gestern haben laut Innenministerium 66.000 Menschen auf eine Entscheidung ihres Asylverfahrens gewartet. Sie hätten Anspruch auf die Grundversorgung in den Bundesländern. Dort fehlen aber Plätze. 4000 Personen wurden daher vom Bund untergebracht. Weitere 5000 Menschen hatten Unterschlupf in Transitquartieren gefunden – diese wurden eigentlich aber für durchreisende Flüchtlinge geschaffen.

Also wieder Zelte. Bereits im Sommer gab es im ersten Schwung der Asylkrise Aufsehen um diese Form der Unterbringung. Sie wieder abbauen zu können, galt als vorrangiges Ziel. Zum Unterschied vom Sommer handelt es sich jetzt aber nicht mehr um Zelte für bis zu acht Personen, sondern um große Einrichtungen mit bis zu 100 Menschen. Abteilungen innerhalb der Zelte sollen den Bewohnern ein Mindestmaß an Intimsphäre bieten.

Das Innenministerium kann diese Zelte samt Sanitäreinrichtungen beim World Food Programme (WFP) der UNO ausborgen. Dieses verfügt weltweit über sechs Depots mit Hilfsgütern für Katastrophen. Österreich würde die Ausrüstung aus Brindisi in Süditalien bekommen.

Während aber der Sprecher des Innenministeriums noch hofft, dass die Zelte nicht gebraucht werden, plant Flüchtlingskoordinator Konrad sie schon fix ein. Aufstellen will er sie auf Liegenschaften des Bundesheeres, aber auch der Bundesimmobiliengesellschaft. Bereits in den nächsten Tagen würden Techniker des WFP mögliche Standorte besuchen, um den Bedarf an Ausrüstung zu fixieren.

Bei seiner Arbeit ist Konrad immer wieder mit bösen Überraschungen konfrontiert, mit dem Unwillen der handelnden Personen, oft aber auch mit mangelndem Bewusstsein. So seien vor einigen Wochen Wohncontainer als Lösung der Quartierfrage genannt worden – doch dann habe sich herausgestellt, dass die Hersteller nicht schnell genug liefern können.

Ein früheres Lehrlingsheim sei als Quartier abgelehnt worden, weil die Oberlichten nicht gepasst hätten, woanders sei der Weg zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu weit, um ein privates Angebot anzunehmen. Und am Grenzübergang Spielfeld habe die Lebensmittelaufsicht die Verteilung von steirischen Äpfeln gestoppt, weil diese gespritzt und nicht gewaschen seien. Konrad berichtete auch von einer Anwaltskanzlei, die dem Asylamt rechtskundige Mitarbeiter zur Verfügung stellen würde, damit Asylanträge schneller bearbeitet werden. Das Problem dabei: Die Kanzlei hat keine Konzession für die Vermittlung von Leih-Arbeitskräften.

Freilich kennt auch der Manager Konrad die Zwänge der Beamten. Er selbst sei kein Amtsträger und könne daher auch keinen Amtsmissbrauch begehen, schmunzelt er. In etlichen Bereichen seien die Vorschriften auch schon gelockert worden.

Manchmal vermisse er aber einfach das Problembewusstsein: „Muss erst ein Flüchtling erfrieren, bevor ein paar noch aufwachen“, fragt er. Oder, gerichtet an seine Freunde unter den Äbten und Kirchenmännern: „Einen Rosenkranz zu beten ist zu wenig.“

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