Innenpolitik

Ein Programm gegen das Aussortieren

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Gerechtigkeit und Gesamtschule: Die Grünen beschließen in einer Woche ein neues Bildungsprogramm.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Wenn SPÖ und ÖVP am Dienstag ihre Bildungsreform beschließen, ist die Arbeit für die Koalitionspartner noch lange nicht beendet: Für eine Umsetzung der Pläne werden sie in vielen Bereichen eine Verfassungsmehrheit und damit die Zustimmung von FPÖ oder Grünen brauchen. Die Grünen legen ihre Vorstellungen dafür am kommenden Wochenende bei einem Bundeskongress fest. Den Leitantrag dafür haben Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer und Bildungssprecher Harald Walser ausgearbeitet. Ihr wichtigstes Ziel sei, für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen, sagten sie im Gespräch mit der TT: „Da hat Österreich den größten Nachholbedarf.“ In kaum einem anderen Land sei die Bildungslaufbahn so stark vom Elternhaus vorherbestimmt wie in Österreich.

Walser will wegkommen von einem System, das Kinder aussortiert und in gute und schlechte Schüler einteilt. Konkrete Punkte in dem Papier, das der Bildungssprecher mehr als Philosophie denn als detaillierte Handlungsanleitung verstanden wissen will, sind der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz nach dem ersten Lebensjahr, die gemeinsame Schule der zehn- bis 14-Jährigen samt ganztägigem, verschränktem Unterricht, mehr Geld für die Unis und ein Grundstipendium statt der bisherigen Kombination aus Familien- und Studienbeihilfe.

Maurer und Walser wollen mit diesen Maßnahmen einen Spagat schaffen: weniger Druck und Stress, etwa für die Eltern, gleichzeitig aber auch keine „Kuschelpädagogik“. Walser: „Wir fordern auch Leistung ein.“

Den Schulen wollen die Grünen mehr Autonomie geben. Mehr Autonomie will dem Vernehmen nach auch die Koalition mit ihrer Bildungsreform anstreben.

Autonomie könne den Umstieg auf die gemeinsame Schule aber nicht ersetzen, betonte Walser. Problemschulen mit hohem Anteil von Schülern sollten vergleichsweise mehr Geld bekommen, um ihr Angebot ausbauen zu können; Walser spricht von „indexbasierter Mittelzuteilung“. Beispiele dafür gebe es in den Niederlanden und vor allem in Großbritannien. Schaffen es Direktorinnen und Direktoren nicht, diese Gelder nachweisbar mit Erfolg einzusetzen, müssten sie mit der Ablöse rechnen.

Modellregionen für die gemeinsame Schule sind auch noch Thema in den Verhandlungen von SPÖ und ÖVP zur Bildungsreform der Koalition. Die SPÖ will, dass derartige Regionen auch über einzelne Bezirke hinausgehen können. Dies würde möglich machen, etwa ganz Wien als Modellregion für die gemeinsame Schule zu definieren.

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