Bei RBI 2015 nun doch kein Konzernverlust

Wien (APA) - Von der Raiffeisen Bank International (RBI) gab es heute eine Überraschung. Die meisten Analysten hatten für das 3. Quartal rot...

Wien (APA) - Von der Raiffeisen Bank International (RBI) gab es heute eine Überraschung. Die meisten Analysten hatten für das 3. Quartal rote Zahlen erwartet. Statt dessen gab es im Quartalsabstand nur einen 56-prozentigen Rückgang beim Nettogewinn auf 90 Mio. Euro. Auch für das Gesamtjahr soll sich jetzt ein kleiner Gewinn ausgehen. Bisher schien auch 2015 ein Verlust wahrscheinlich.

Hauptgrund für die Wende: Ein Großteil der bis jetzt immer auf 550 Mio. Euro bezifferten Sanierungs- und Restrukturierungskosten wird nun nicht mehr heuer anfallen. Wegen der Kosten des zu Jahresbeginn selbst auferlegten Schrumpfkurses hatte der Vorstand für das Geschäftsjahr 2015 wieder rote Zahlen für möglich gehalten.

Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2014 hatte die Bank nach teuren Abschreibungen auf Osttöchter einen Nettoverlust von 493 Mio. Euro geschrieben, davon allein 718 Mio. Euro im vierten Quartal.

„Die Restrukturierungskosten werden in diesem Jahr geringer ausfallen als von uns ursprünglich prognostiziert. Wir haben deshalb unseren Ausblick revidiert und rechnen nun für das Gesamtjahr 2015 mit einem leicht positiven Konzernergebnis“, schrieb RBI-Chef Karl Sevelda in der Quartalsnachricht. Und auch das Geschäft sei bisher besser gelaufen als erwartet.

Im Februar hat sich die Bank einen Schrumpfkurs mit Rückzug aus einigen Märkten verordnet. Die damit verbundenen Restrukturierungen - Redimensionierungen einzelner Geschäftsfelder bzw. Verkäufe von Konzernaktiva - seien „in Umsetzung, haben sich bis Ende des dritten Quartals 2015 aber größtenteils noch nicht materialisiert“, so die Bank im Quartalsbericht. Bis Ende September fielen lediglich 24 Mio. Euro an Restrukturierungskosten an, im Gesamtjahr 2015 sollen es etwa 100 Millionen sein.

Dass es an einem schleppenden Fortgang liege, dass die Kosten für Umstrukturierungen heuer nicht so sehr ins Gewicht fallen, will man in der Bank nicht sagen. Bis auf Verzögerungen beim Verkauf der Polbank liege man mit den restlichen Vorhaben ganz gut im Plan, hieß es auf APA-Fragen. In Asien werde redimensioniert, für das USA-Geschäft seien Verkaufsverhandlungen weit fortgeschritten, ebenso für die Slowenien-Bank. In Russland und der Ukraine wird das Geschäft gekürzt, in Ungarn ist der Filialabbau fertig.

In den ersten neun Monaten stieg der Nettogewinn im Konzern auf 378 Mio. Euro (Vorjahr: 225 Mio. Euro). Die Kreditrisikokosten sind im Berichtsquartal deutlich gesunken, für das vierte Quartal wird aber wieder ein höheres Niveau erwartet. Insgesamt will die Bank heuer mit weniger Vorsorgen auskommen als 2014 (1,7 Mrd. Euro). Für Lasten aus dem Zwangsumtausch von Frankenkrediten in Kroatien mussten im dritten Quartal aber 75 Mio. Euro rückgestellt werden. Die Kroatien-Bank schrieb im 3. Quartal 48 Mio. Euro Verlust.

Trotz des schwierigen Umfelds in Russland schrieb die RBI-Tochterbank dort in den ersten neun Monaten 253 Mio. Euro Gewinn nach Steuern. Im Oktober hat sie ihr Pensionsfondsgeschäft verkauft, was jetzt im vierten Quartal einen einmaligen Gewinn von 87 Mio. Euro fließen lässt.

Die Ukraine-Tochterbank hat unterm Strich bis September ihren Verlust von 138 Mio. Euro auf 55 Mio. Euro reduziert. Mit der EBRD hat Raiffeisen hier eine Kapitalerhöhung vereinbart. Das Kreditvolumen in der Tochter ist seit Jahresbeginn um 30 Prozent gefallen, hier machen die faulen Kredite mehr als die Hälfte des Volumens aus. Einen kleinen Verlust schrieb auch die Slowenien-Tochter der RBI, rote Zahlen gibt es zudem weiter aus Asien.

Der Firmenwert der zum Verkauf anstehenden polnischen Tochter Polbank (96 Mio. Euro) wurde ganz abgeschrieben.

Beim Personalstand im Konzern ist es bergab gegangen. Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter (Vollzeit) sank im Jahresabstand um 3.060 Personen auf 54.019. Die größten Rückgänge gab es in der Ukraine (minus 1.690), Polen (450), Russland (319), Ungarn (247) und Bulgarien (148).

Nach RBI-Angaben werden die Ergebnisse heuer auch wieder von Währungsschwankungen beeinflusst sein. So lag jetzt im Herbst der Durchschnittskurs des russischen Rubel um 29 Prozent, jener der ukrainischen Hryvna um 37 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

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