Merck schraubt Ziele nach oben - Mega-Zukauf gibt Schwung

Darmstadt (APA/Reuters) - Ein starkes Geschäft mit Produkten für die Pharmaforschung beflügelt Merck. Der Pharma- und Chemiekonzern hob nach...

Darmstadt (APA/Reuters) - Ein starkes Geschäft mit Produkten für die Pharmaforschung beflügelt Merck. Der Pharma- und Chemiekonzern hob nach einem deutlichen Umsatz- und Ergebnisanstieg im dritten Quartal seine Jahresziele an. „Unser organisches Wachstum in allen drei Unternehmensbereichen und allen Regionen zeigt, dass unsere Strategie Früchte trägt“, urteilte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley am Donnerstag.

Kurz vor der 17 Mrd. Dollar schweren Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich brummt das Zuliefergeschäft für Pharmakonzerne und Forschungseinrichtungen, das Merck mit diesem Zukauf stärkt. Wachstumsmotor ist die Region Asien-Pazifik, dort erzielte Merck rund 80 Prozent des gesamten Umsatzwachstums im dritten Quartal.

An der Börse kam der Optimismus gut an: Merck-Aktien waren mit einem Plus von 2,5 Prozent größter Gewinner im Leitindex Dax.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand nun mit einem Umsatz von 12,6 bis 12,8 Mrd. Euro und einem bereinigten Betriebsgewinn von 3,58 und 3,65 Mrd. Euro. Bisher hatte er ein Umsatzplus auf 12,3 bis 12,5 (Vorjahr: 11,3) Mrd. Euro und ein bereinigtes Ergebnis von 3,45 bis 3,55 (3,38) Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Dazu trägt auch die Übernahme von Sigma-Aldrich bei, die Merck in der kommenden Woche abschließen will. Der größte Zukauf in der fast 350-jährigen Unternehmensgeschichte hatte sich wegen kartellrechtlicher Auflagen verzögert. Ursprünglich wollte Merck die Übernahme bis Mitte des Jahres eintüten.

Im dritten Quartal steigerte Merck den bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) um gut zehn Prozent auf 944 Mio. Euro. Analysten hatten deutlich weniger erwartet. Positiv wirkte sich auch die Auflösung von Rückstellungen von 31 Mio. Euro aus, die für wenig erfolgversprechende Forschungsprojekte im Pharmageschäft gebildet und nicht in voller Höhe in Anspruch genommen wurden. Merck setzte im abgelaufenen Quartal 3,1 Mrd. Euro um, ein Plus von 6,8 Prozent. Dazu trug auch der schwache Euro bei, aus alleiniger Kraft legte das Darmstädter Unternehmen um gut drei Prozent zu.

Vor allem im Life-Science-Bereich, der Produkte für die Pharmaforschung anbietet und durch die Sigma-Aldrich-Übernahme an Bedeutung gewinnt, legte Merck deutlich zu. Im hochrentablen Geschäft mit Flüssigkristallen, eine der Grundsubstanzen für Flachbildschirme und Handy-Displays, profitierte das Unternehmen von einer Verdoppelung des Geschäfts mit einer neuen energiesparenden Technologie, die in den aktuellsten Smartphones zum Einsatz kommt. Die Gesundheitssparte ging von Juli bis September auf Erholungskurs, nachdem erhöhte Forschungskosten im zweiten Quartal noch für einen Ergebnisrückgang gesorgt hatten. Dabei erwies sich vor allem das Geschäft in Asien-Pazifik als Treiber, angeführt von China. Dort sind vor allem die Fruchtbarkeitsmedikamente der Darmstädter gefragt. Grund sei das Jahr des Affen im kommenden Jahr, dem Chinesen viele erfolgreiche Eigenschaften zuschreiben, weshalb es ein beliebtes Jahr für Geburten sei. Die Abkehr von der Ein-Kind-Politik habe dabei weniger eine Rolle gespielt. „Der Affe wird von chinesischen Eltern definitiv bevorzugt“, sagte Kley. Die Aussichten für das Geschäft seien daher rosig, im dritten Quartal habe es zweistellig zugelegt.

~ ISIN DE0006599905 WEB http://www.merck.de ~ APA298 2015-11-12/12:47