Imst

Neue Anlaufstelle sagt Drogen den Kampf an

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Eine Behandlung mit Drogenersatzstoffen war im Oberland und dem Außerfern bisher so gut wie unmöglich. Jetzt keimt Hoffnung auf.

Von Hubert Daum

Imst –Es geht oft schleichend und im Moment der Realisierung steckt man bereits mitten drinnen in der Suchtfalle. Besonders gefährlich ist die Abhängigkeit von Opiaten. Für diese Patientengruppe ist eine so genannte Substitutionsbehandlung, also die medizinisch kontrollierte Verabreichung von Ersatzstoffen, vorgesehen. Diese darf nur durch einen speziell dafür ausgebildeten Arzt erfolgen. Diesbezüglich sind die Bezirke Imst, Landeck und Reutte ein weißer Fleck auf der medizinischen Landkarte. Nur ein einziger Arzt in Oetz bietet die Substitutionsbehandlung an. Eine Kooperation von Suchtberatung Tirol und Landeskrankenhaus Hall bietet nun Abhilfe: Vor zwei Monaten startete ein Pilotprojekt in der Beratungsstelle der Suchtberatung in Imst.

„Jeden Dienstag können Patienten aus den Bezirken Land­eck, Reutte und Imst jetzt in Imst medizinisch versorgt und umfassend betreut ihre Substitutionsbehandlung erhalten. Die so genannte dislozierte Drogensprechstunde ist eine Premiere und ein Vorzeigeprojekt in Tirol“, berichtet Birgit Keel, Geschäftsführerin der Suchtberatung Tirol. Christof Gstrein, Suchtkoordinator des Landes Tirol: „In diesen drei Bezirken gab es schon länger Bemühungen, die wohnortnahe Versorgung von Menschen mit Suchtproblemen zu verbessern.“ Mit der „medizinischen Drogensprechstunde“ in Imst sei ein wichtiger Schritt realisiert worden. Zahlreiche Gespräche in der bestehenden Ärzteschaft, relevante Partner zu finden, seien bisher gescheitert. Nun pendelt Raphael Linser, Oberarzt am LKH Hall, mit seinem Pflegeteam jeden Dienstag nach Imst, um opiatabhängige Menschen mit Drogenersatzstoffen medizinisch zu versorgen: „Wir betreuen zurzeit 20 opiatabhängige Patienten. Im Bezirk Imst sind allerdings rund 30, in Landeck zwischen vier und sechs und in Reutte rund sieben Patienten registriert. Somit können wir mit dem jetzigen Angebot keine Vollversorgung erreichen.“

Das erfolgreiche Pilotprojekt bietet den Abhängigen anonyme und kostenlose Hilfe weit über die Substitution hinaus: Mit Alexandra Pümpel steht eine Expertin für psychosoziale Beratung zur Verfügung. Die Psychologin: „Bei Bedarf können wir Hilfestellung bei der Sicherung finanzieller Versorgung, der Klärung juristischer Angelegenheiten oder bei der Arbeits- und Wohnungssuche anbieten.“

Mit der Kooperation mit dem Verein BIN, der sich Menschen mit Alkohol-, Medikamenten- oder Spielsucht annimmt, möchte man die Hilfestellung noch umfangreicher gestalten. Wichtig sei jedoch eine Terminvereinbarung bei den Beratungsstellen der jeweiligen Bezirke.

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Alexander Paschinger

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