170.000 Diabetiker in Österreich nicht diagnostiziert

Wien (APA) - Rund 600.000 Österreicher sind zuckerkrank. Doch bei fast einem Drittel der Betroffenen wurde die Krankheit noch nicht diagnost...

Wien (APA) - Rund 600.000 Österreicher sind zuckerkrank. Doch bei fast einem Drittel der Betroffenen wurde die Krankheit noch nicht diagnostiziert. Mehr Wissen über Entstehung und Management von Diabetes könnte die Krankheit deutlich besser beherrschbar machen, hieß es am Donnerstag bei der Vorstellung des Buches „Zeitbombe Zuckerkrankheit“ des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger in Wien.

Die Präsentation des Bandes (Untertitel: „So entschärfen Sie die Gefahr Diabetes“) fand in fast direktem zeitlichen Konnex zum Welt-Diabetestag (14. November) statt. „Diabetes ist in Österreich durchaus als Volkskrankheit zu betrachten. 430.000 Menschen befinden sich deswegen in medizinischer Behandlung. Rund 170.000 Betroffene wissen noch nicht davon, dass sie Diabetes haben“, sagte Alexander Hagenauer, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, der gemeinsam mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) die Informationsschrift gestaltet hat.

Die Konsequenzen einer nicht ausreichend behandelten bzw. beherrschten Zuckerkrankheit sind schwerwiegend. Laut Schätzungen stirbt in Österreich alle 50 Minuten ein Mensch an den Folgen von Diabetes. Das bedeutet rund 10.000 Todesfälle, vor allem durch Herzinfarkt und Schlaganfall. Pro Jahr gibt es infolge Gefäßschäden als Langzeitkomplikation der Zuckerkrankheit rund 2.500 Amputationen und 200 Erblindungsfälle. Darüber hinaus werden pro Jahr rund 300 Menschen in Österreich infolge des Diabetes Dialyse-pflichtig (terminales Nierenversagen).

Infolge der Zunahme von Übergewicht, zunehmend inaktivem Lebensstil und zu kalorienreicher Ernährung nimmt vor allem der Typ-2-Diabetes (nicht-insulinabhängiger Diabetes) weltweit zu. Innerhalb von 15 Jahren könnte damit laut dem ÖDG-Präsidenten Thomas Wascher die Zahl der Zuckerkranken in Österreich auf rund eine Million Patienten ansteigen. Jedenfalls ließe sich durch einen gesünderen Lebensstil der Ausbruch eines Typ-2-Diabetes zumindest bei einem Teil der Betroffenen hinauszögern, bzw. bei einem Teil der Patienten eine bereits manifeste Erkrankung wieder rückgängig machen.

In Österreich gibt es seit 2007 ein eigenes Disease Management Programm für Diabetiker („Therapie aktiv“), bei dem sich Kranke beim Hausarzt für eine regelmäßige Rundum-Betreuung in Sachen Zuckerkrankheit einschreiben können. Davon machen derzeit rund 46.500 Patienten bei Allgemeinmedizinern Gebrauch. Laut einer Evaluation sind diese Zuckerkranken insgesamt besser betreut. In zwei Bundesländern konnte das Programm allerdings noch nicht gestartet werden.