Vatikan-Aufdecker Nuzzi gibt sich zu Ermittlungen gelassen

Wien (APA) - Der für seine Aufdeckerbücher über den Vatikan bekannte italienische Journalist Gianluigi Nuzzi gibt sich zu den vatikanischen ...

Wien (APA) - Der für seine Aufdeckerbücher über den Vatikan bekannte italienische Journalist Gianluigi Nuzzi gibt sich zu den vatikanischen Ermittlungen gegen ihn gelassen. Bei der Präsentation seines neuen Werkes „Alles muss ans Licht“ am Donnerstag in Wien wies er darauf hin, dass die italienische Verfassung und auch die Rechtsprechung des Kassationsgerichtes die Pressefreiheit schütze.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte am gestrigen Mittwoch in einer Aussendung Ermittlungen der vatikanischen Gendarmerie gegen Nuzzi und seinen Journalistenkollegen Emiliano Fittipaldi, Autor des ebenfalls kürzlich veröffentlichten Buches „Avarizia“ (Geiz), wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat bekannt gegeben. Nuzzi zeigte sich in Wien vor allem überrascht darüber, dass in der Aussendung des Vatikan er und Fittipaldi namentlich genannt wurden: „In Italien werden Personen, gegen die Ermittlungen geführt werden, durch das Ermittlungsgeheimnis geschützt.“

Der bekannte Investigativjournalist beschäftigt sich bereits seit Jahren mit Misswirtschaft im Vatikan und hatte durch sein Buch „Seine Heiligkeit: Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI.“ 2012 die „Vatileaks“-Affäre ausgelöst. Nuzzi befindet sich gerade auf einer internationalen Tournee zur Vorstellung seines Buches „Alles muss ans Licht. Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes“ (Originaltitel: „Via Crucis“) die gleichzeitig mit der italienischen Ausgabe auch in anderen Sprachen erscheint. Darin beschreibt er im Kern die Arbeit der vom Papst 2013 eingesetzten Expertenkommission Cosea und die von ihr aufgedeckten Missbräuche und Fragwürdigkeiten im Finanzgebaren in und um den Vatikan.

Anfang November 2015 hatte der Vatikan im Übrigen Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen zwei Mitglieder dieser heute nicht mehr aktiven Kommission, den spanischen Priester Lucio Angel Vallejo Balda und die italienische PR-Beraterin Francesca Chaouqui, eingeleitet. Papst Franziskus hatte vergangenen Sonntag auch öffentlich die „Entwendung“ der Dokumente als „Verbrechen gebrandmarkt“.

Nuzzi hob in Wien einige Beispiele aus dem Buch hervor, etwa dass viele im vatikanischen Besitz befindlichen wertvollen Immobilien um einen symbolischen Betrag oder überhaupt gratis vermietet wurden, darunter die oft mehrere hundert Quadratmeter großen Wohnungen zahlreicher hochgestellter Prälaten, die im Buch auch aufgelistet sind. Auch gebe es über 40.000 Berechtigungsscheine für das Einkaufen in den (preislich oft besonders günstigen) innervatikanischen Geschäften - aber nur 5000 externe Vatikan-Angestellte sowie 830 Bewohner der Kirchenstaates.

Besonders dramatisch präsentiert Nuzzi in dem Buch eine interne Rede von Papst Franziskus vom 3. Juli 2013, die heimlich aufgezeichnet und dem Aufdecker zugespielt wurde. Der Journalist sieht in dieser Ansprache den Auftakt für die Maßnahmen des argentinischen Papstes, die nach dessen Worten „außer Kontrolle“ geratene finanzielle Situation des Kirchenstaates zu durchleuchten und neu zu ordnen. Allerdings habe Franziskus auch mit enormen Widerständen - von Nuzzi als „Krieg im Vatikan“ bezeichnet - zu kämpfen, die auch bis zu illegalen Aktionen wie den Diebstahl von Dokumenten aus einem Tresor der Cosea-Kommission reichten, unterstrich der Journalist.

Nach Nuzzis Ansicht könnte die Veröffentlichung dieser Dokumente etwa für mehr Transparenz sorgen oder womöglich Erpressungsbestrebungen zuvor zu kommen.

( S E R V I CE: Gianluigi Nuzzi: Alles muss ans Licht. Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes. Ecowin 2015. 385 S. 21,95 Euro )