Streit um Hund

Die Stadt gegen Lukas Hosek: „Tierschutz ad absurdum geführt“

Lukas Hosek – im Bild mit Bad und Zoombie – wartet seit einem Jahr auf Elisabeth.
© Minatti

Ein Mann ohne festen Wohnsitz, ein Hund namens Elisabeth, eine Geschäftsfrau mit Herz, die Behörde, das Gericht und eine Ente: Bestandteile fragwürdiger Ereignisse.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck, Hall. i. T. –Wozu dieser Aufwand? Es geht doch „nur“ um einen Hund. Sätze, die Barbara Minatti oft zu hören bekommt. Unbeirrt setzt die Haller Unternehmerin seit Monaten alles in Bewegung, damit der Tscheche Lukas Hosek seine Mischlingshündin Elisabeth zurückbekommt. Das Tier wurde dem Mann Ende vergangenen Jahres von der Behörde in Innsbruck abgenommen und nicht mehr zurückgegeben. Nach einer Operation hinkte der Hund, doch es stand der Vorwurf im Raum, Hosek hätte ihn misshandelt.

Elisabeth wurde erst ins Tierheim, dann an eine Frau, die neue Besitzerin, weitergegeben. Ein fragwürdiges Vorgehen und alles nicht rechtens, wie Minatti und Reinhard Ster sagen. Der von ihr inzwischen verpflichtete Rechtsanwalt brachte beim Landesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den Bescheid der Stadt ein. Nach sechsmonatiger Prüfung liegt nun die Entscheidung vor, darin wird der Beschwerde Folge gegeben. Weil Hosek nicht Deutsch spricht, hätte die Stadt einen Dolmetscher beiziehen müssen. Eine Erklärung, mit der er auf den Hund verzichtete, sei nicht rechtens. Die zuständige Amtsleiterin Edith Margreiter sagt auf Nachfrage: „Er hat den Eindruck gemacht, dass er versteht.“

Anfangs ging’s um einen Hund, aber auch um einen Menschen. Für Barbara Minatti ist er ein „Tierfreund, ein feiner Mensch“, für andere, wenngleich EU-Bürger, ein Ausländer, ein Herumtreiber. Und längst geht es um viel mehr – um Gerechtigkeit und darum, „der amtlichen Übermacht entgegenzutreten“, so Minatti. „Das Vorgehen der Stadt ist ungeheuerlich!“ Die Vorwürfe wiegen schwer: Reinhard Ster, dem anfangs die Akteneinsicht verweigert wurde, spricht von „Kabinettsjustizmethoden“, das Verhalten der Behörden suche „seinesgleichen“. „Das Recht des Betroffenen auf Gehör wurde nicht gewahrt. Der Hund wurde weitergegeben und Entscheidungen nachträglich so gebastelt, dass sie passen. Hier wurde das Recht mit Füßen getreten!“, so der Anwalt.

Für die hinzugezogene Tierschützerin Inge Welzig ist in diesem Fall „alles falsch gelaufen“. Nach einem Gespräch mit der Frau, bei der Elisabeth jetzt lebt, hat sich dieser Eindruck wohl noch verstärkt: „Sie ist ins Tierheim gefahren, weil sie eine Laufente für ihren Teich suchte.“ Dabei sei ihr die Hündin „empfohlen“ worden. „Aufs Aug’ druckt trifft es eher“, so Welzig.

Auch Landesveterinär Josef Kössler wurde verständigt – und wollte offensichtlich helfen: Laut eines Aktenvermerks der damaligen Innsbrucker Amtstierärztin habe er mitgeteilt, dass der Bereich des Tierschutzes durch „solch eine Aktion“ ad absurdum geführt werde. Frau Minatti würde alle angefallenen Kosten übernehmen und für die geforderte medizinische Versorgung und Therapie des Hundes bürgen. Ein Vorwurf hatte gelautet, der Tscheche könne sich nicht entsprechend um das Tier kümmern. Kössler will sich dazu nicht mehr äußern. Nur so viel: Er habe kein Weisungsrecht.

Für Minatti und Hosek, der sich regelmäßig nach Elisabeth erkundigt, ist der Entscheid des Verwaltungsgerichts ein erster Erfolg. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Die Stadt hat die Möglichkeit, Rechtsmittel zu ergreifen. Dann geht die Sache zum Verwaltungsgerichtshof in Wien – das erste Mal bei so einem Fall. Andernfalls wäre der Entscheid rechtskräftig und der Hund müsste zurückgegeben werden. „Wir haben noch nicht entschieden“, teilt Amtsleiterin Margreiter mit. Elisabeth gehe es „sehr gut“.

Anwalt Ster verfasste bereits ein Schreiben an die Stadt, dass der Hund sofort ans Tierheim zurückgegeben werden müsse, damit – wenn der Fall entschieden ist – Elisabeth ihrem richtigen Besitzer gleich ausgehändigt werden könne. „Die Stadt sollte sich beeilen, sonst werde ich einen Säumnisantrag stellen. Herr Hosek liebt den Hund, er gehört zu ihm.“ Barbara Minatti hat dem Tschechen ein neues Foto von Elisabeth gegeben. Er hat es geküsst, gefaltet und in seine Brusttasche gesteckt.

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