Deutsche Postbank will sich rasch fit für Börse machen

Bonn (APA/Reuters) - Die deutsche Postbank macht bei ihrem Umbau vor dem geplanten Börsengang Dampf. Postbank und Deutsche Bank sollten spät...

Bonn (APA/Reuters) - Die deutsche Postbank macht bei ihrem Umbau vor dem geplanten Börsengang Dampf. Postbank und Deutsche Bank sollten spätestens Anfang nächstes Jahr wieder entflochten sein, sagte Postbank-Chef Frank Strauß am Donnerstag in Frankfurt. Die beiden Institute hatten erst vor einem Jahr ihre Dienstleistungs-Töchter zusammengelegt.

„Unser Ziel ist es, in der ersten Hälfte des Jahres 2016 wieder eigenständig zu sein“, damit die Deutsche Bank schnell handeln könne, sagte Strauß. Laut Finanzkreisen könnte die Postbank im Sommer an die Börse gehen. „Wir sind auf einem ordentlichen Weg, haben aber noch einige Hausaufgaben zu machen“, kommentierte Strauß die Vorbereitungen auf die Eigenständigkeit.

„Fit für die Börse 2.0“ steht auf dem blau-gelben Button, den die Postbank-Vorstände seit einigen Wochen am Revers tragen. Die Abnabelung von der Mutter setzt ein Fragezeichen hinter die Prognosen für 2015. Je nachdem, wann und wie die Entscheidungen in den nächsten Wochen ausfielen, könne das Ergebnis um mehr als 100 Mio. Euro verzerrt werden - in die eine oder die andere Richtung. Davon abgesehen, erwartet die Postbank für 2015 einen Vorsteuergewinn, der rund 100 Mio. Euro unter dem Niveau des Vorjahres liegt.

Im operativen Geschäft geht es für die Postbank darum, die Bilanz ausgewogener zu gestalten. Weil auf den Konten mehr Geld liegt als die Postbank an andere Kunden verleihen kann, muss sie die Einlagen für kleines Geld am Kapitalmarkt oder mit Verlust bei der Europäischen Zentralbank anlegen. Diese zwölf Mrd. Euro große Lücke will sie mit der Vergabe von mehr Krediten etwa für gewerbliche Immobilien schließen. Der Verzicht auf Werbung hat das Volumen auf den Sparkonten bereits gedrosselt, aus den Girokonten sollen verstärkt lukrativere Gehaltskonten werden.

Im dritten Quartal steigerte die Postbank ihren Gewinn vor Steuern - die Service-Töchter herausgerechnet - um 76 Prozent auf 144 Mio. Euro. Zuwächse bei Ratenkrediten und Baufinanzierungen machten die rückläufigen Provisionen wett, die sie von der Deutschen Post für die Annahme von Paketen und den Verkauf von Briefmarken bekommt. Diese Einnahmen machten bisher zehn Prozent der Gesamterträge aus. Strauß sieht den neu verhandelten Vertrag positiv: „Das gibt uns auch Freiheiten. Wir können das postalische Geschäft neu strukturieren. Wir werden auch die Kapazitäten anpassen.“ Seit 2007 hat die Postbank das Personal bereits um rund 3.500 reduziert.

Die Postbank hat die Bilanz seit der Finanzkrise 2008 um ein Drittel auf 150 Mrd. Euro gekürzt. Dieser Prozess soll weitergehen. Bei der harten Eigenkapitalquote kam die Bank dem Ziel von elf Prozent Ende September mit 10,7 Prozent schon nahe. Die Verschuldungsquote lag mit 3,1 Prozent erstmals über den vorgeschriebenen drei Prozent, ist aber noch nicht gut genug. „Wir wissen, dass das nicht das Ende der Fahnenstange sein kann“, sagte Finanzvorstand Marc Heß. Vor allem die risikoarmen, aber großvolumigen Baufinanzierungen machen es der Postbank und ihrer Tochter, der Bausparkasse BHW, schwer. Sie machen allein die Hälfte der Bilanzsumme aus.

~ ISIN DE0008001009 WEB http://www.postbank.de/ ~ APA405 2015-11-12/14:28