Schlag gegen Schlepperbande - Elf Mitglieder in Korneuburg in Haft

Wien/Korneuburg/Belgrad (APA) - Eine serbische Schlepperbande soll seit Februar rund 1.800 Flüchtlinge von Belgrad nach Wien gebracht haben....

Wien/Korneuburg/Belgrad (APA) - Eine serbische Schlepperbande soll seit Februar rund 1.800 Flüchtlinge von Belgrad nach Wien gebracht haben. Elf Mitglieder der Tätergruppe wurden bis September in Österreich festgenommen und befinden sich in Korneuburg in U-Haft. Gegen sechs weitere Personen wurden internationale Haftbefehle erlassen, darunter ist auch der Kopf der Bande, wie am Donnerstag im Innenministerium mitgeteilt wurde.

Die Festgenommenen sind geständig, sagte der niederösterreichische Landespolizeidirektor Franz Prucher bei der Pressekonferenz. Ihnen wird gewerbsmäßige Schlepperei und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Männer ab 18 Jahren und eine ältere Frau - die Mutter eines Täters. Der 47-jährige Haupttäter wird wie fünf weitere ausgeforschte Verdächtige in Serbien vermutet. „Sie können davon ausgehen, dass wir auch die restlichen einsperren werden“, kündigte Prucher an.

Die Tätergruppe war gut vernetzt. Bei den Schlepperfahrten fuhr ein Auto voraus, erläuterte Prucher. Wenn keine Polizei in der Nähe war, machte sich das Fahrzeug mit den Flüchtlingen auf den Weg. In Kastenwagen und Minivans mit verdunkelten Scheiben wurden zehn bis 15 Personen geschleppt. Sechs Fahrzeuge wurden sichergestellt. Der Weg führte auf der Balkanroute von Belgrad über Ungarn nach Wien. Dort hatte die Gruppe mehrere Wohnungen angemietet, wo sich die Schlepper ausruhen konnten. Das verdeutliche die „hohe kriminelle Energie“ der Täter, sagte Prucher.

Diese Gruppen seien „kriminelle Logistikunternehmen“, fügte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hinzu. Sie lobte den „großartigen Erfolg“ des Landeskriminalamts Niederösterreich in Zusammenarbeit mit Bundeskriminalamt und internationalen Behörden und sprach von einer „Sisyphusarbeit“ für die Ermittler. „Wir haben es mit skrupellosen Schleppern zu tun, die das Schicksal der Flüchtlinge ausnutzen.“ Die Innenministerin forderte neuerlich legale Wege aus den Krisengebieten nach Europa“.

Bei Hausdurchsuchungen wurden knapp 50.000 Euro sichergestellt. Prucher ging davon aus, dass die Täter seit Februar eine Gesamtsumme von 500.000 bis 550.000 Euro als Schlepperlohn eingenommen haben. Das zeige, „dass mit dem Leid der Menschen hier große Geschäfte gemacht werden“. Für die Fahrt von Belgrad nach Wien wurden pro Person etwa 250 bis 300 Euro verlangt. Geschleppt wurden laut Prucher vor allem Syrer und Afghanen, darunter auch Kinder.

Die Ermittlungen begannen, als immer wieder Flüchtlinge in Niederösterreich von Schleppern auf der Straße ausgesetzt wurden. Dabei gab es erste Festnahmen von Mitgliedern der Bande. Dann sei von den Kriminalisten nach und nach „das Mosaik zusammengesetzt“ worden, erläuterte Prucher. Bei den Ermittlungen sei auch „moderne Technik eingesetzt“, weitere Details wollte der Landespolizeidirektor aus taktischen Gründen nicht sagen.