Literatur

„Der neue Analphabetismus“

© Simon M. Ingold

Eröffnungsredner Adolf Muschg kritisierte bei der Buch Wien „Privatisierung der Schrift“.

Wien –Die am Mittwochabend eröffnete „Buch Wien“ steht heuer unter dem Motto „Literatur ist grenzenlos“ und nimmt dementsprechend die Verständigung zwischen den Kulturen in den Fokus. So spielte das Flüchtlingsthema nicht nur in der Eröffnungsrede des Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg eine wichtige Rolle, sondern auch in den Begrüßungsworten von Benedikt Föger, Präsident des heimischen Buchhandels-Hauptverbandes, der daran erinnerte, „dass die österreichische Literatur von Flucht und Migration geprägt ist wie keine andere“.

Mit einer Rede über das Lesen, die „Privatisierung der Schrift“, die Zugänglichkeit von privaten Daten und die „Reduktion der Wirklichkeit auf Entweder-Oder-Verhältnisse“ eröffnete Adolf Muschg, vielfach ausgezeichneter Romancier und Essayist, die bis zum 15. November dauernde Buchmesse. Auch die Gründe für die Handlungsunfähigkeit in der Finanz- und ganz aktuell in der Flüchtlingskrise sieht der 81-Jährige in einer „kurzschlüssigen Orthodoxie“. Wenn „die ökonomische Raison gestern keine Grenzen kannte, kann sie heute auch nicht mit Grenzen umgehen, anders gesagt: Wer nur Zahlen lesen kann, liest auch sie nicht recht“, so Muschg mit Blick auf die Krisenherde dieser Welt, die sich mit „einem neuen Analphabetismus mit professionellem Anstrich“ nicht befrieden lassen werden. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) nütze seine Begrüßung, um „auf Errungenschaften des vergangenen Jahres“ wie die Buchpreisbindung für E-Books oder die Novelle zum Urheberrecht zu verweisen. Besonders freue er sich, dass ab dem kommenden Jahr im Rahmen der Buch Wien ein „Österreichischer Buchpreis“ verliehen werden wird, der entweder an heimische Autoren oder Autoren heimischer Verlage vergeben werden kann.

Apropos Preis: Am Rande der Messeeröffnung gab Ostermayer zudem bekannt, dass die in der Slowakei geborene und in der Schweiz lebende Schriftstellerin Ilma Rakusa den mit 8000 Euro dotierten Manès-Sperber-Preis erhalten wird. Rakusa sei eine „ausgewöhnliche europäische Autorin und Vermittlerin zwischen den Kulturen“, so Ostermayer.

Bei der Buch Wien 2015 präsentieren insgesamt 300 Aussteller ihre Verlagsprogramme – über 450 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. (APA)

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