ORF brachte als erster Sender geheime Tonaufnahmen aus Vatikan

Vatikanstadt/Wien (APA) - Der ORF sendete Donnerstagabend in der „Zeit im Bild“ als erste Rundfunkanstalt weltweit geheime Sprachaufzeichnun...

Vatikanstadt/Wien (APA) - Der ORF sendete Donnerstagabend in der „Zeit im Bild“ als erste Rundfunkanstalt weltweit geheime Sprachaufzeichnungen interner Besprechungen von Papst Franziskus mit Kardinälen im Vatikan. Dabei geht es um Misswirtschaft, intransparente Finanzen, Geldverschwendung und Machtmissbrauch.

Der Journalist Gianluigi Nuzzi hatte ein Protokoll der Sitzung vom 3. Juli 2013 bereits in seinem Buch „Alles muss ans Licht“, das der Autor am Donnerstag auch in Wien präsentierte, veröffentlicht. Der ORF brachte nun die Tonmitschnitte. Auf den Aufnahmen ist Papst Franziskus in spanisch gefärbtem Italienisch zu hören und sagt im O-Ton jene Worte, die in den vergangenen Wochen bereits publizistisch um die Welt gingen: „Ohne zu übertreiben müssen wir sagen, dass ein Gutteil unserer Kosten außer Kontrolle ist. Das ist ein Faktum.“ Und weiter: „Ein Bischof hat mir mal gesagt: Wenn wir nicht in der Lage sind unsere Finanzen zu verwalten - die man ja sehen kann - wie sollen wir dann die Seelen der Gläubigen verwalten?“

Zu hören ist aus der Sitzung des Kardinalsrats auch der deutsche Kardinal Joachim Meisner, der im Vatikan den russischen und kommunistischen Revolutionsführer Wladimir Lenin zitiert: „Was uns heute mangelt, auch in der Öffentlichkeit, ist der Verlust des Vertrauens. Dass man sagt: Wir haben die sexuellen Missbräuche nicht richtig offen behandelt - und jetzt geht es mit dem Geld genauso. Hier dürfen wir keine Angst haben, die Dinge offen zu benennen, nicht um anzuklagen, sondern um zu heilen ... Lenin sagte: Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser.“

Die Vorwürfe zur Misswirtschaft im Vatikan sind seit Anfang November bekannt, dem ORF ist es jetzt gelungen, erstmals Tonbandmitschnitte der Krisensitzungen zu den Vatikan-Finanzen zu bekommen.