Fußball: Lichtgestalt Lichtsteiner - ein Schweizer, der bewegt

Wien (APA/Si) - Er gilt nicht zu Unrecht als einer der durchsetzungsstärksten Außenverteidiger der Welt. Stephan Lichtsteiner ist ein Kämpfe...

Wien (APA/Si) - Er gilt nicht zu Unrecht als einer der durchsetzungsstärksten Außenverteidiger der Welt. Stephan Lichtsteiner ist ein Kämpfer - und er hat bewegende Monate hinter sich. Im September waren beim Schweizer Star Herzrhythmusstörungen diagnostiziert worden. Einen Monat nach der folgenden Operation stand der 31-Jährige von Juventus Turin bereits wieder auf dem Fußball-Platz.

Teamchef Vladimir Petkovic will auch in den abschließenden Tests des Jahres am Freitag gegen die Slowakei und am Dienstag in Wien gegen Österreich nicht auf seinen Führungsspieler verzichten. Spätestens mit Juves Finaleinzug in der Champions League ist Lichtsteiner zum nationalen Helden avanciert. Seinen ersten Meistertitel hatte er 2003 mit Grasshoppers Zürich geholt. Sein Trainer damals: Marcel Koller.

Lange Jahre galt Lichtsteiner als die Konstante im Schweizer Fußball - bis am 23. September im Ligaspiel gegen Frosinone der Körper streikte. Lichtsteiner klagte über Atemnot, wurde umgehend ins Spital gebracht. Die OP folgte Anfang Oktober. Am 3. November gab der „Schweizer Express“, wie er in Italien ob seiner dynamischen Flankenläufe genannt wird, mit einem Tor in der Champions League gegen Borussia Mönchengladbach (1:1) sein Comeback.

Zu weit in die Zukunft will der Arbeiter, der defensive Schwächen mit unermüdlichem Offensivdrang kompensiert, nicht blicken. „Ich plane von Periode zu Periode. Wichtig wird in erster Linie sein, wie es mir gesundheitlich geht“, sagte Lichtsteiner, der seit 2011 für Juventus spielt. Sein Vertrag in Turin läuft bis 2017. Für die Schweizer „Nati“ hat er bisher 77 Länderspiele absolviert. „Jetzt geht es darum, die EM gut vorzubereiten. Dann schauen wir weiter.“

Lichtsteiner ist keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Erst im Frühjahr hatte der ehrgeizige Rechtsverteidiger mit einer Aussage über verschwindende „Identifikationsfiguren“ im Schweizer Fußball eine nationale Debatte über Spieler mit Migrationshintergrund ausgelöst. Auch mit dem gebürtigen Bosnier Petkovic gab es wegen dessen Kaderpolitik bereits die eine oder andere Reiberei.

Die jüngste Diskussion um die bevorstehende Vertragsverlängerung des Teamchefs beeinflusse die Mannschaft aber nicht, versicherte Lichtsteiner. „Spekulationen gehören nun mal zum Business, das macht das Ganze interessant. Es ist wichtig, dass es für alle Parteien stimmt - für den Coach selber, für den Verband, für die Mannschaft“, meinte der Wortführer, der auch im Spiel von seinen Emotionen lebt.

In den vergangenen acht Wochen hat er eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter sich. „Im Vordergrund stand natürlich immer die Gesundheit. In einem solchen Moment ist man primär Ehemann, Familienvater, Sohn, Bruder und Freund“, sagte Lichtsteiner über seine gutartigen Herzrhythmusstörungen. „Man macht sich natürlich Gedanken, was alles sein könnte. Eine OP am Herzen birgt immer ein gewisses Restrisiko.“

Mit dem chirurgischen Eingriff bei Spezialisten in Italien sollen aber alle Probleme behoben sein. Weitere medizinische Checks seien neben den jährlichen Routineuntersuchungen des Clubs nicht notwendig. Lichtsteiner: „Als mir die Ärzte bestätigt haben, dass die Gefahrenherde beseitigt sind, wollte ich so früh wie möglich wieder spielen.“ Er tat es nach nicht einmal fünf Wochen.