Innenpolitik

Kommt Rauchverbot im Auto?

Brennende Zigaretten führen im Auto zu einer besonders hohen Belastung mit schädlichem Feinstaub.
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Die Forderung, auf Glimmstängel zu verzichten, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren, wird deutlicher. Ministerin Oberhauser will diskutieren, aber nichts überstürzen.

Von Markus Schramek

Wien, Innsbruck –England, Frankreich, Italien. Immer mehr Staaten verbieten das Rauchen im Auto, wenn sich Kinder und Jugendliche bis 18 an Bord befinden. In England droht bei Zuwiderhandeln eine Geldstrafe von umgerechnet 68 Euro. In Italien gilt das Verbot auch, wenn sich Schwangere unter demselben Autodach befinden.

Und in Österreich? Hier werden Rufe nach ähnlichen Regelungen lauter – in zwar in Richtung des Parlaments in Wien, das dafür zuständig wäre.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ist Verfechter einer qualmfreien Zone Auto zum Schutz der Kinder. VCÖ-Experte Markus Gansterer beruft sich auf eine Studie aus Schottland. Danach verursacht der Glimmstängel im Wagen eine hohe Konzentration schädlichen Feinstaubs, auch wenn das Fenster offen oder die Lüftung in Betrieb ist.

Erwin Rasinger, den Gesundheitssprecher der ÖVP im Nationalrat, muss man über die Folgen von Nikotinkonsum nicht aufklären. „Rauchen ist der größte bekannte Faktor, der die Gesundheit schädigt“, sagt der Parlamentarier, im Brotberuf praktischer Arzt in Wien. „30 Prozent aller Krebserkrankungen hängen mit Rauchen zusammen.“

Rasinger würde ein Rauchverbot im Auto, „wenn Kinder mitfahren“, unterstützen. Doch er sieht jemand anderen am Zug: Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser vom Koalitionspartner SPÖ. Die Ressortchefin will aber nichts überstürzen. „Ich schaue mir an, wie die Regelungen in Italien und England funktionieren“, erwidert die Ministerin. Diskussionsbereit sei sie jedoch.

Oberhauser lässt durchblicken, dass für sie Aufklärung Vorrang hat vor einem neuen Verbot für Autofahrer: „Wichtig ist, dass man mit dem Rauchen überhaupt nicht beginnt.“ Eltern sollten schon aus Sorge um ihre Kinder auf dem Rücksitz freiwillig auf das Qualmen im Auto verzichten.

Ähnlich argumentiert Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP). Zigaretten im Auto unangetastet zu lassen, wenn der eigene Nachwuchs mit von der Partie ist, betrachtet Tilg als eine Frage elterlichen Verantwortungsbewusstseins.

Nationalrat Rasinger sieht indessen „eine noch viel wichtigere“ Frage: „Wie kann man Eltern dazu bewegen, zuhause nicht zu rauchen?“ Die meiste Zeit würden sich Kinder nämlich in den eigenen vier Wänden aufhalten.

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