Internationale Pressestimmen zur Flüchtlingskrise in Europa

Brüssel (APA/dpa) - Zur anhaltenden Flüchtlingskrise in Europa schreiben internationale Zeitungen am Freitag:...

Brüssel (APA/dpa) - Zur anhaltenden Flüchtlingskrise in Europa schreiben internationale Zeitungen am Freitag:

„Guardian“ (London):

„Man wird die illegale Einwanderung niemals stoppen können, solange nicht legale Einwanderungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das fordern afrikanische Regierungen, und das lehnen die europäischen Regierungen ab, weil sie die politischen Konsequenzen fürchten. Doch Europa braucht Einwanderer, junge Menschen, die motiviert sind und lernen wollen, zukünftige Steuerzahler, die eine Unterstützung für die alternde Bevölkerung sind. Die Einwanderung aus Afrika hat andere Gründe als der Exodus aus Syrien und wird nicht enden. Die Politiker in Europa müssen einsehen, dass diesbezüglich eine EU-weite Zusammenarbeit nötig ist. Man kann wie die USA Quoten oder Auslosungen für Einwanderer einführen. Es wird unvermeidlich sein, ein legale Migration zuzulassen.“

„De Standaard“ (Brüssel):

„Die Befestigung von immer mehr europäischen Binnengrenzen ist die unvermeidliche Antwort auf das Unvermögen, die Außengrenzen gemeinsam zu bewachen. Aber sie bietet dafür keine brauchbare Alternative. Wenn nun auch jene Länder, die bisher noch am gastfreundlichsten (oder auch am naivsten) waren, die Pforten schließen, geschieht das ironischerweise mit auf Kosten von Mitgliedstaaten, die vorher schon den Zugang erschwert hatten. (...)

Die Nervosität und die Zwietracht (der politisch Verantwortlichen) unterminiert das Vertrauen. Dadurch legitimieren sie populistische Herausforderer. Deren Anhang wächst, auch wenn sie keine echte Alternative bieten können. Das bedroht das Herz von Europa. Das Problem ist gigantisch. Die Antwort, so schwer sie auch sein mag, kann nur eine europäische sein.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Europa sollte darüber nachdenken, wie die lügenhafte Vermischung von Asylbewerbung und Arbeitsmigration durchbrochen werden kann. Die Lösung könnte in einer Art Green-Card-System bestehen, wie es Amerika kennt. Dabei würden europäische Staaten ihre Nachfrage nach Immigranten, auch nach unqualifizierten Arbeitern, kontingentieren und auf afrikanische Länder verteilen. Bewerbungen müssten in den Herkunftsländern eingereicht und behandelt werden. Niemand glaubt, eine solche Politik würde die irregulären Migrationsströme eindämmen. Aber sie gäbe Europa ein politisches Mittel in die Hand, Lösungen zu gestalten, statt immer nur auf die Probleme zu reagieren.“

„Lidove noviny“ (Prag):

„Europa meint es gut. Angela Merkel will Afrikanern mehr legale Möglichkeiten eröffnen, in Europa zu arbeiten. Auf Malta sagte sie, dass man der Jugend des Kontinents eine Chance geben müsse. Das sind schöne Worte. Zugleich implizieren sie aber, dass die Afrikaner es mit eigenen Kräften - ohne das Engagement Europas - nicht schaffen, Hoffnung in Afrika zu verbreiten. Es ist, als ob Merkel andeuten würde, dass die Afrikaner drei Generationen nach der Entkolonialisierung noch nicht in der Lage sind, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.“

„Helsingborgs Dagblad“ (Stockholm):

„Leicht ist es nicht, aber es ist ein wirklicher Halt an der Grenze nötig. Denn die Wahrheit ist: Will Schweden in der Lage sein, eine geregelte und großzügige Flüchtlingspolitik zu betreiben, dann müssen die Regeln befolgt werden. Nur diejenigen, die asylberechtigt sind, sollten bleiben dürfen. Aufenthaltsgenehmigungen müssen noch etwas bedeuten. Und Schweden muss wissen, wer hierher kommt, sonst wird die Lage auf Dauer unhaltbar. Endlich beginnt die Regierung, die Handlungskraft zu zeigen, die es braucht. Traurig, dass es sich auf die Pendler auswirkt, natürlich. Aber sehr, sehr notwendig.“

„Diena“ (Riga):

„Fast alle Maßnahmen in dem von der Regierung angenommenen Aktionsplan zur Aufnahme von Flüchtlingen zielen darauf ab, diese Menschen eher davor abzuschrecken, nach Lettland zu kommen. Und, falls dann doch jemand hierher kommt, dazu zu motivieren, sich schnell auf den Weg in einige der wohlhabenderen Länder zu machen, wo die Vorteile größer sind, die Winter wärmer und auch die Einstellung gegenüber Zuwanderern nicht so negativ ist.“