Wer spielt bei G-20 die Hauptrolle?

Antalya (APA/dpa) - Alle Jahre wieder treffen sich die Mächtigsten der Mächtigen zum G-20-Gipfel. Diesmal kommen Barack Obama, Wladimir Puti...

Antalya (APA/dpa) - Alle Jahre wieder treffen sich die Mächtigsten der Mächtigen zum G-20-Gipfel. Diesmal kommen Barack Obama, Wladimir Putin, Angela Merkel, Xi Jinping und Co. in einem hochgesicherten Fünf-Sterne-Luxushotel an der türkischen Riviera zusammen. Doch Urlaubsgefühle werden angesichts des blutigen Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien keine aufkommen.

Die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und der Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ treiben die Staatenlenker um. Gibt es Hoffnung auf Fortschritte im Syrienkonflikt? Wer wird beim Gipfel die Hauptrolle spielen? Fünf Kandidaten:

PUTIN: „Mächtigster Mann der Welt“, wenn es nach der US-Zeitschrift „Forbes“ geht, und zwar das dritte Jahr hintereinander. Bei G-20 in Brisbane 2014 isoliert wegen des Ukraine-Konflikts, in Antalya wieder im Mittelpunkt wegen Syrien: Russland bombt und sucht zugleich Verbündete für eine politische Lösung. Hält die Hand über Syriens Machthaber Bashar al-Assad. Mit dem wollen die anderen aber eigentlich nicht reden. Wirtschaftlich hat Wladimir Putin (63), Kreml-Chef mit Weltmacht-Ambitionen, wenig zu bieten: Der niedrige Ölpreis, Inflation und westliche Sanktionen plagen Russland.

MERKEL: Hat Draht zu Putin. In Brisbane Vermittlerin bei Ukraine. Gestählt auch durch Verhandlungen über Eurokrise und Griechenland. Für „Forbes“ ist Angela Merkel (61) seit zehn Jahren die „mächtigste Frau des Planeten“. Genauso lange ist sie jetzt deutsche Bundeskanzlerin. Syrische Flüchtlinge machten Selfies mit ihr, hielten sie für einen Friedensengel. Doch zum Gipfel fährt sie so geschwächt wie kaum zuvor. Ihr Land ächzt unter der Last der Flüchtlingskrise. Von meisten EU-Partnern im Stich gelassen. Widerstand in CDU/CSU wächst, Umfragewerte sinken. Muss auf Fortschritte in Syrien hoffen.

OBA: Noch immer im Zentrum des Geschehens, dort aber nicht mehr alleine. Der US-Präsident schätzt Großgipfel nur so mittel. Wird zur Lösung der Weltkrisen wenig im Gepäck für Antalya haben, aber sich vor Paris noch einmal für den Klimaschutz stark machen. Nur noch ein Jahr im Amt, aber wegen jüngster Erfolge (zum Beispiel Handelsabkommen TPP mit Ländern wie Australien, Japan, Malaysia) noch keine „lame duck“ (lahme Ente). Beginnt in der Türkei Dreier-Gipfeltour (ASEAN, APEC) durch die Welt. Barack Obama (54) verreist mit eigenem Präsidenten-Kaffeebecher, irritiert damit gelegentlich Gipfelgastgeber.

ERDOGAN: Staatspräsident und Gastgeber Recep Tayyip Erdogan (61) war vor kurzem weitgehend isoliert. In der Flüchtlingskrise von EU hofiert. Syriens Nachbar hält Schlüssel in der Hand, die Bewegung nach Europa zu bremsen. Will aber Gegenleistung sehen. Schränkt zu Hause Medien und Justiz weiter ein. Trotzdem erfolgreich. Seit dem Wahlsieg seiner islamisch-konservativen AKP mächtiger denn je. Immer für eine Überraschung gut. Begrüßte den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas in Prunkpalast vor einer Kulisse aus 16 Kriegern in historischen Gewändern.

XI: Hat Vetorecht im Weltsicherheitsrat, gute Beziehungen zu Russland und in den Nahen Osten. Könnte auch bei Lösung der Syrien-Krise sehr wichtig sein. Chinas Präsident Xi Jinping (62) will auf der Weltbühne eine größere Rolle spielen. Hat die Taschen voller Geld. Wird als Sprössling der „roten Aristokratie“ in China „Prinzling“ genannt. Hat mehr Macht an sich gerissen als seine Vorgänger. Schafft sich mit Anti-Korruptionskampagne innerparteiliche Gegner vom Hals. Sammelt damit beim Volk Punkte. Wird nach Antalya G-20-Präsident und lädt 2016 in die ostchinesische Stadt Hangzhou.