Volkskrankheit Zucker

In Tirol wird für Diabetiker ein flächendeckendes Schulungssystem angeboten: Univ.-Klinik für Innere Medizin, Bezirkskrankenhäuser und Internisten sowie Allgemeinmediziner. Dazu gibt es noch das mobile Schulungsteam avomed. Infos unter www.avomed.at
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Der Name, den der Volksmund Diabetes gegeben hat, klingt harmlos: Zuckerkrankheit. Dabei ist das Leiden alles andere als ungefährlich und kann schlimme Folgekrankheiten verursachen.

„Der Diabetes mellitus zählt zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Für Österreich wird angenommen, dass rund 600.000 Menschen an einem Diabetes leiden. In Tirol gibt es ca. 30.000 Betroffene“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner, ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hochzirl-Natters und Mitglied des Vorstands der Österreichischen Diabetesgesellschaft. Diese macht derzeit mit der Aktion „Face Diabetes“ auf die schwerwiegenden Folgen aufmerksam.

Werner Salzburger: „Das Tückische ist die oft lange Beschwerdefreiheit. Viele wissen gar nicht, dass sie Diabetes haben. Die Vorsorgeuntersuchung gibt verlässlich Auskunft.“

Gravierende Folgen

Dem Diabetes mellitus liegt entweder ein Fehlen des Hormons Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, zugrunde (Typ 1 Diabetes) oder eine gestörte Wirkung (Typ 2 Diabetes). Insulin ist ein sogenanntes anaboles Hormon, das eine zentrale Rolle in der Energieversorgung der Zelle spielt. Die fehlende oder gestörte Insulinwirkung führt zu einem Anstieg der Blutzuckerwerte. Lechleitner: „Dieser kann zu schwerwiegenden Folgen für den Körper führen.“

Da ein hoher Blutzuckerspiegel keine Schmerzen verursacht, bleibt die Krankheit oft jahrelang unentdeckt. Teilweise vergehen bis zu zehn Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird. Eine rechtzeitige Diagnose und die gute Blutzuckerkontrolle sind in der Lage, die gefürchteten diabetischen Spätkomplikationen zu vermeiden. Dazu zählen diabetische Veränderungen an Auge, Nieren und Nervensystem, sowie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Risiko für einen Herzinfarkt nimmt bei Diabetes mellitus um das 3- bis 5-Fache zu, das sogenannte diabetische Fußsyndrom stellt die häufigste Ursache für eine Amputation dar. „Die umfassende Diabetikerbetreuung muss deshalb auch augenärztliche Kontrollen und Fuß­untersuchungen beinhalten“, weiß die Expertin.

Arno Melitopulos: „Rund 30.000 Tiroler sind von Diabetes betroffen. Als größter Gesundheitsdienstleister Tirols sind uns Bewusstseinsbildung und Prävention ein großes Anliegen.“

Richtige Behandlung

Lebensstilmaßnahmen – wie regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und Nichtrauchen – sind die Basis einer erfolgreichen Diabetestherapie. Im Rahmen von Diabetikerschulungsprogrammen werden die Betroffenen über die Art der Erkrankung, die Komplikationen und Therapiemaßnahmen unterrichtet.

Diabetes erkennen

Zu den klassischen Anzeichen für das Vorliegen eines Diabetes mellitus zählen:

  • starker Durst
  • viel Harn, häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsverlust
  • Abgeschlagenheit und Leistungsabfall
  • Juckreiz
  • Sehstörungen
  • Abnehmen von Libido und Potenz bei Männern
  • unregelmäßige Periodenblutung bei Frauen
  • erhöhte Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung und Hautinfektionen

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