Aquarius

Böse Menschen haben Lieder

© HBO

Die TV-Serie „Aquarius“ befeuert erneut den Mythos um Sektenführer Charles Manson.

Innsbruck –Mit einer Reihe grausamer Morde, unter anderem an Roman Polanskis schwangerer Ehefrau Sharon Tate, erlangte die Manson Family 1969 traurige Berühmtheit. Sektenführer Charles Manson sitzt seit 1971 im Gefängnis, die Faszination, die seine Person auf die Popkultur ausübt, bleibt ungebrochen.

Gruselrocker Marilyn Manson borgte sich etwa seinen Nachnamen, zahlreiche Bands, unter ihnen Guns’n’Roses oder die Fat White Family, coverten jene Songs, die Manson unter anderem mithilfe einiger Beach-Boys-Mitglieder aufgenommen haben soll. Mit der umstrittenen Medienpräsenz des Massenmörders beschäftigt sich auch die Kunst. Der Kriminelle wurde etwa zum Stichwortgeber der Ausstellung „MAN SON 1969“ in der Hamburger Kunsthalle 2009.

Perfekter TV-Stoff also für einen mit qualitativ hochwertigen Produktionen übersättigten Serienmarkt. Auf Sky ist die 13-teilige NBC-Drama-Serie „Aquarius“ nun auch auf Deutsch abrufbar, im Jänner soll sie linear ausgestrahlt werden. Der britische Schauspieler Gethin Anthony spielt darin Charles Manson, die Handlung ist 1967 angesetzt, zwei Jahre vor der bestialischen Mordserie. Ein gefährlicher Psychopath ist der Musiker, der eine obskure Hippie-Kommune anführt, damals schon.

Noch träumt er aber davon als Folkrocker zu reüssieren. Auffallend viele junge attraktive Frauen zählen zu seiner Anhängerschaft, unter ihnen die Tochter eines gut betuchten Anwalts, die von zuhause ausgerissen ist. TV-Star David Duchovny spielt Mansons Gegenpart, Mordkommissar Sam Hodiak, der von der Mutter des verschwundenen Mädchens angeheuert wird. Anthony, der in der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ als sympathischer Renly Baratheon bekannt wurde, hat sich auf die Rolle gut vorbereitet. „Auch wenn ich darauf verzichtet habe, Manson im Gefängnis zu besuchen“, so der Mime. Er habe die Biografien des heute 79-Jährigen studiert, räumt aber ein, dass manche Dialoge der Serie schwer nachvollziehbar sind – insbesondere jene, mit denen Manson junge Frauen um den Finger wickelt. „Viele der Dialoge verweisen auf den rassistischen Wahn des Mannes“, meint der 32-Jährige. „Die Serie spielt vor dem Hintergrund der sexuellen Revolution, es wurde mit sämtlichen Drogen experimentiert.“

Wie es ist, einen Massenmörder zu spielen, kann er noch nicht sagen. „Diese Szenen stehen noch lange nicht auf dem Drehplan.“ Auf die im Jul­i fixierte zweite Staffel freue er sich schon – auch wenn seine Mutter bei den brutalen Szenen immer wegzappe. (sire)

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