Fußball: DFB-Führung uneinig über Neuordnung

Berlin/Paris (APA/dpa) - Mitten in der Aufarbeitung des WM-Skandals ist in der DFB-Spitze ein offener Konflikt über die Neuordnung des Deuts...

Berlin/Paris (APA/dpa) - Mitten in der Aufarbeitung des WM-Skandals ist in der DFB-Spitze ein offener Konflikt über die Neuordnung des Deutschen Fußball-Bunds ausgebrochen. Ligapräsident Reinhard Rauball stellte sich vor einem Krisentreffen am Freitag in Paris gegen die Pläne des zweiten DFB-Interimschefs Rainer Koch und von Schatzmeister Reinhard Grindel, noch vor der EM 2016 eine neue Verbandsführung zu installieren.

Zudem machte sich Rauball, der nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach den DFB gemeinsam mit Koch führt, erneut für eine umfassende Strukturreform stark. „Es reicht nicht, wenn ein Kopf durch einen anderen Kopf ersetzt wird, und danach läuft wieder alles ganz normal“, sagte der Präsident von Borussia Dortmund im ZDF. Für die Aufarbeitung der Affäre um die Vergabe der WM 2006 und die Überlegungen für eine Neuaufstellung des DFB bedürfe es Zeit.

Dagegen hatten Koch und der im Präsidentenrennen als Favorit des Amateurlagers geltende Grindel schnelle Lösungen avisiert. „Gehen Sie davon aus, wir werden bei der Europameisterschaft ganz sicher vollständig geordnet aufgestellt sein“, hatte Koch gesagt.

Am Freitagnachmittag wollte die derzeitige DFB-Führung in Paris hinter verschlossenen Türen über die nächsten Schritte beraten. Am Dienstag treffen sich in Hannover das Präsidium und die Landesverbände.

Zuvor waren neue Vorwürfe gegen Niersbach, DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und weitere DFB-Topfunktionäre aufgetaucht. Niersbach und Sandrock sollen Medienberichten zufolge bereits im Sommer über den brisanten Vertrag zwischen Franz Beckenbauer und dem korrupten FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner kurz vor der Vergabe der WM 2006 informiert gewesen sein. Zudem seien führende DFB-Vertreter bereits im Jahr 2000 mit dem dubiosen Deal befasst gewesen, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag).

Der damalige Bewerbungschef Beckenbauer soll vier Tage vor der WM-Entscheidung der FIFA dem inzwischen gesperrten Warner in einem Schreiben „diverse Leistungen“ zugesagt haben. Die neuen Enthüllungen würden von den externen Ermittlern beim DFB untersucht werden, versicherte Rauball. „Ich kann offen und ehrlich gestehen, dass ich über viele Dinge überrascht war“, sagte der Jurist über seine Erkenntnisse in den ersten Tagen als DFB-Interimschef. Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily hat indes eine Kenntnis von dem Beckenbauer-Deal bestritten. Der SPD-Politiker war Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees.