Briten entdecken wieder ihre Liebe zum Gin

London (APA/AFP) - Als typisch britisches Getränk erlebt der Gin derzeit ein Revival im Vereinigten Königreich. Vor allem in London wird der...

London (APA/AFP) - Als typisch britisches Getränk erlebt der Gin derzeit ein Revival im Vereinigten Königreich. Vor allem in London wird der Wacholderschnaps in einigen Bars angeboten, eine Reihe von Brennereien hat sich auf das Getränk spezialisiert. Das Lieblingsgetränk der 2002 verstorbenen „Queen Mum“ legt sein angestaubtes Image ab.

„Wir können mit der Nachfrage kaum mithalten“, sagt William Borrell, der in seiner Brennerei jeden Tag zwölf Flaschen Gin produziert. Jeden Dienstagabend lädt er in seiner Bar - einer ehemaligen öffentlichen Toilette mit dem Namen „Ladies and Gentleman“ - zum „Gin Club“. Dort können Gäste ihren eigenen Gin destillieren, indem sie Gewürze und Kräuter zu den Wacholderbeeren hinzufügen, die dem Gin seinen besonderen Geschmack verleihen.

Hunderte neue Sorten sind neuerdings im Angebot. „Das Getränk existiert seit dreihundert Jahren, aber so eine große Auswahl an Gin gab es noch nie“, sagt Olivia Williams, die in ihrem Buch „Gin, Glorious Gin“ von einer „Ginaissance“ spricht. Die Verkaufszahlen für Premium Gin sind in den vergangenen zwei Jahren um 49 Prozent in die Höhe geschnellt, wie die Beratungsfirma CGA ermittelt hat.

Einige sprechen sogar von einem zweiten „Gin-Wahn“. Zum ersten Mal war Großbritannien zu Beginn des 18. Jahrhunderts verrückt nach dem Schnaps. Damals förderte der britische König William III. von Oranien-Nassau die Gin-Produktion. Der Boom übertraf sämtliche Erwartungen, mehrere Jahrzehnte lang wurden enorme Gin-Mengen hergestellt. Der leicht herzustellende Schnaps sagte der Arbeiterklasse derart zu, dass die Regierung schließlich mehrere Gesetze erließ, um Trunkenheit und Ausschweifungen ein Ende zu setzen.

„Das Land hat eine Krise des ‚Koma-Saufens‘ erlebt, die fast 60 Jahre dauerte, bevor die Regierung den Geist wieder in die Flasche zurückholte“, erzählt Olivia Williams. So weit ist es noch nicht wieder. Doch das Getränk ist landesweit auf dem Siegeszug. In London und Plymouth, die als Wiege des Getränks gelten, aber auch in Schottland, wo nicht weniger als 70 Prozent des britischen Gins gebrannt werden und wo nach Ansicht einige Experten der Gin kurz davor ist, den Whisky als Nationalgetränk abzulösen.

In London hat die Brennerei Sipsmiths den Grundstein für die neue Gin-Begeisterung gelegt, als sie im Jahr 2009 den ersten kupfernen Destillierapparat seit 200 Jahren in der Hauptstadt aufstellte. Seitdem folgten mehrere Brennereien. Jonathan Clark eröffnete 2012 die City of London Distillery, in der Gin-Fans einen Drink schlürfen und dabei zwei große Destillierapparate aus Deutschland mit den Namen „Clarissa“ und „Jennifer“ bewundern können.

„Die Leute sind sehr neugierig. Sie wollen wissen, was sie in ihrem Glas haben“, erzählt Alfie Amayo aus der City of London Distillery. „Bisher haben sie sich mit einem Gin Tonic mit einer alten Zitronenscheibe und zwei Eiswürfeln zufrieden gegeben. Heute wollen sie mehr.“

„Ich komme seit drei Jahren und ich liebe es“, schwärmt der 50-jährige Mark Butler. Er habe begonnen, sich „für die Tradition des britischen Gin“ zu interessieren und habe heute 20 Sorten Gin zu Hause.