Aung San Suu Kyi - Freiheitsikone von Myanmar greift nach der Macht

Yangon (Rangun) (APA/AFP) - Jahrelang wurde sie von der Militärjunta weggesperrt, fünf Jahre nach ihrer Freilassung steht Oppositionsführeri...

Yangon (Rangun) (APA/AFP) - Jahrelang wurde sie von der Militärjunta weggesperrt, fünf Jahre nach ihrer Freilassung steht Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi jetzt vor der Übernahme der Regierung in Myanmar (Burma). Die 70-Jährige führte ihre Partei NLD zu einem triumphalen Wahlsieg: Mit 364 Sitzen verfügt die Nationale Liga für Demokratie nun über eine klare Mehrheit im Parlament.

Obwohl ihr das Präsidentenamt laut Verfassung versperrt bleibt, will Suu Kyi künftig die Politik ihres Landes bestimmen. Die Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses am Freitag dürfte Suu Kyi als besondere Genugtuung empfunden haben: Ihr Aufstieg zur starken Frau in der Politik von Myanmar wurde auf den Tag genau fünf Jahre nach der Entlassung aus ihrem 15-jährigen Hausarrest besiegelt.

Bereits unmittelbar nach ihrer Freilassung am 13. November 2010 hatte Suu Kyi deutlich gemacht, dass sie sofort wieder politisch aktiv werden will. Vor dreieinhalb Jahren schaffte die Friedensnobelpreisträgerin dann den Einzug ins Parlament. Für viele Landsleute verkörpert die 70-Jährige nach Jahrzehnten der Militärdiktatur die Hoffnung auf echte Demokratie. Im Wahlkampf versprach Suu Kyi, sie werde ihr Land zu einem „echten Wandel in Politik und Regierung“ führen.

Das höchste Staatsamt bleibt ihr nach derzeitiger Rechtslage aber verwehrt: Suu Kyi darf gemäß der vom Militär ausgearbeiteten Verfassung nicht als Präsidentin kandidieren, wenn das Parlament Anfang 2016 das neue Staatsoberhaupt wählt. Das Verbot gilt für alle Bürger, deren direkte Angehörige eine ausländische Staatsbürgerschaft haben. Suu Kyis 1999 verstorbener Ehemann war Brite, und auch die beiden Söhne der Oppositionsführerin haben die britische Staatsangehörigkeit.

Suu Kyi ist die Tochter des 1947 ermordeten Unabhängigkeitskämpfers General Aung San. Ihr Weg in die Politik war zunächst alles andere als vorgezeichnet. Suu Kyi wurde in den besten Schulen von Yangon (Rangun) unterrichtet, bevor sie 1969 zum Studium an der renommierten Universität Oxford nach Großbritannien zog. 1972 heiratete sie den britischen Akademiker Michael Aris und bekam mit ihm zwei Kinder.

Zum Schlüsselerlebnis wurde für Suu Kyi das Jahr 1988: Während sie ihre kranke Mutter in ihrer Heimat pflegte, erlebte sie, wie das Militär eine Demokratiebewegung blutig niederschlagen ließ. Sie blieb und gründete mit anderen Oppositionellen die NLD. Die Junta reagierte prompt: Im Juli 1989 wurde Suu Kyi erstmals unter Hausarrest gestellt - wenige Monate vor dem haushohen Sieg ihrer NLD bei der Parlamentswahl 1990. Die Militärregierung erkannte das Ergebnis nie an.

Auch die Verleihung des Friedensnobelpreises 1991 und internationale Proteste änderten nichts an den Repressionen. Suu Kyis Ehemann durfte selbst im Endstadium seines Krebsleidens nicht nach Myanmar reisen. Sie selbst blieb aus Furcht, ausgebürgert zu werden, im Land. Aris starb 1999, ohne seine Frau wiederzusehen.

Seit Suu Kyis Freilassung vor fünf Jahren änderte sich viel in ihrem südostasiatischen Heimatland: Die Macht wurde an eine formal zivile Regierung unter dem früheren General Thein Sein übertragen, der die Zensur lockerte, politische Gefangene freiließ und die NLD wieder zu Wahlen zuließ. Seit einer Nachwahl 2012 sitzt „die Lady“, wie Suu Kyi im eigenen Land genannt wird, im Parlament.

Die mit zahlreichen Auszeichnungen dekorierte Politikerin genießt auch international hohes Ansehen. Für Kritik sorgt allerdings Suu Kyis Weigerung, sich in der Flüchtlingskrise für die muslimische Minderheit der Rohingya einzusetzen, die im mehrheitlich buddhistischen Myanmar systematisch diskriminiert wird. Noch am Donnerstag sagte Suu Kyi, in der Debatte über die Lage der Rohingya solle nicht „übertrieben“ werden.

In ihrer Partei ist die 70-Jährige aber weiterhin unumstritten. An ihrem Machtanspruch ließ Suu Kyi in den vergangenen Tagen keinen Zweifel: Wer auch immer offiziell zum Staatschef gewählt werde, sie werde „über dem Präsidenten“ stehen.