„Jihadi John“ - Vom Fußballfan zum Henker der IS-Extremisten

London (APA/AFP) - Mohammed Emwazi alias „Jihadi John“ war ein unauffälliger junger Mann aus London, der Fußball und Videospiele mochte. Heu...

London (APA/AFP) - Mohammed Emwazi alias „Jihadi John“ war ein unauffälliger junger Mann aus London, der Fußball und Videospiele mochte. Heute gilt er als „kalter, sadistischer und gnadenloser“ Mörder im Auftrag der jihadistischen Organisation „Islamischer Staat“ (IS).

Nun könnte der 27-Jährige, der als einer der grausamsten Vertreter der extremistischen Gruppe gilt, bei einem US-Luftangriff in Syrien getötet worden sein. Bestätigt ist sein Tod bisher noch nicht. Wer ist der Mann, der eine solch radikale Wandlung vornahm?

„Wenn ich groß bin, will ich Fußballer werden“, schrieb der zehnjährige Emwazi 1996 in ein Jahrbuch seiner Schule, das das britische Boulevardblatt „Sun“ veröffentlichte. Wenige Jahre zuvor, 1993, war Emwazi mit seinen irakisch-stämmigen Eltern aus Kuwait nach London gekommen. Aufgewachsen ist er in North Kensington, einer Mittelschichtgegend, in der später ein Netzwerk islamistischer Extremisten aufgedeckt wurde. Emwazis Vater leitet ein Taxi-Unternehmen, die Mutter ist Hausfrau.

Menschen, die Emwazi früher kannten, sagten britischen Medien, sie könnten sich nicht vorstellen, dass der ruhige, ernste junge Mann zu dem „kalten, sadistischen und gnadenlosen“ Mörder wurde, als den ihn eine seiner späteren Geiseln beschrieb. Emwazi war ein Fan des britischen Fußballclubs Manchester United und der Popband S Club 7.

Einem ehemaligen Weggefährten zufolge war ihm die Religion damals relativ egal. 2006 ging er mit guten Noten an die Universität Westminster, wo er Informatik studierte. Dort galt er als „höflich, mit einem Hang zu modischen Klamotten“. Später veränderte sich sein Aussehen - er ließ sich einen Bart stehen und vermied Augenkontakt mit Frauen.

Mit dem Diplom in der Tasche reiste Emwazi 2009 mit zwei Freunden nach Tansania - angeblich für eine Safari. Diese Reise ist es, die die Organisation Cage als Wendepunkt ansieht. Emwazi sagte der Organisation, die sich für die Rechte von in London lebenden Muslimen einsetzt, die britischen Behörden hätten ihm vorgeworfen, er habe sich der radikalislamistischen Al-Shabaab-Miliz in Somalia anschließen wollen. Nach einer Nacht in Gewahrsam wurde er zurück nach Großbritannien gebracht.

Der britische Geheimdienst sei hinter seiner Festnahme gestanden, dieser habe ihm auch eine Spionagetätigkeit angeboten, was er abgelehnt habe, sagte Emwazi den Aktivisten von Cage. Als er ablehnte, sei ihm „eine Menge Ärger“ in Aussicht gestellt worden. Die „Belästigung“ durch die britischen Sicherheitsbehörden sei es gewesen, die Emwazi radikalisiert habe, ist die Organisation überzeugt.

Emwazi kam zunächst bei der Familie seiner Verlobten in Kuwait unter, bevor er im Mai 2010 nach Großbritannien zurückkehrte. Gerichtsunterlagen zufolge, die in britischen Medien veröffentlicht wurden, tauchte sein Name in der folgenden Zeit in Verbindung mit den sogenannten London Boys auf, einem der Al-Shabaab nahestehenden Extremistennetzwerk. Anfang 2012 versuchte Emwazi, Großbritannien erneut zu verlassen, wurde aber von den Behörden daran gehindert. 2013 taucht er in Syrien auf, wo er später von mehreren Augenzeugen als kaltblütiger Killer beschrieben wird.

„Im Laufe der vergangenen zwei Jahre ist er in der Hierarchie des IS immer weiter aufgerückt, um eine wichtige Rolle unter den ausländischen Kämpfern einzunehmen“, schrieb die britische Zeitung „Guardian“. Emwazi änderte seinen Namen und wurde zu „Abu Abdullah al-Britani“. In den Medien wurde er zu „Jihadi John“, nachdem er erstmals im Sommer 2014 in einem Video auftauchte, in dem er den am Boden knienden US-Journalisten James Foley tötete. Es folgten weitere grausame Enthauptungsvideos, in denen „Jihadi John“ als Schlächter auftritt. Großbritanniens Premierminister David Cameron sprach nach dem Luftangriff auf Emwazi am Freitag von einem „Akt der Selbstverteidigung“.