Griechenland bleibt befürchteter Konjunktureinbruch erspart

Athen (APA/Reuters) - Griechenland kommt nach dem langen Ringen mit seinen Geldgebern um Rettungshilfen konjunkturell mit einem blauen Auge ...

Athen (APA/Reuters) - Griechenland kommt nach dem langen Ringen mit seinen Geldgebern um Rettungshilfen konjunkturell mit einem blauen Auge davon. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Sommer lediglich um 0,5 Prozent, wie das Brüsseler Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Experten staunten, da sie einen Einbruch um 2,7 Prozent erwartet hatten.

Das Land stand im Sommer erneut kurz vor der Pleite. Mit den Geldgebern wurde monatelang über die Auflagen für weitere Hilfen gerungen. Da die Griechen aus Furcht vor einem Euro-Austritt massenhaft ihre Konten räumten, stemmte sich Athen im Juni mit Kapitalverkehrskontrollen dagegen. Die Brüsseler Daten zeigen nun, dass die Maßnahmen die Konjunktur bei weitem nicht so stark bremsten wie befürchtet.

„Die Wirtschaft ist widerstandsfähiger als gedacht“, sagte Ökonom Nikos Magginas von der National Bank. Damit könnte die Rezession in diesem Jahr schwächer ausfallen als befürchtet. Der Experte erwartet ein Minus von weniger als einem Prozent. Die Regierung hat minus 1,4 Prozent veranschlagt.

Noch im Frühjahr hatte das Land dank der kräftigen Konsumfreude der Griechen ein Wachstum von 0,4 Prozent geschafft. Doch im Sommer wurden die Banken drei Wochen lang geschlossen. Nach der Einführung der Kapitalverkehrskontrollen durften die Griechen pro Woche lediglich 420 Euro abheben - das bremste den privaten Verbrauch.

Aus der Industrie kamen dagegen zuletzt ermutigende Signale: Die Firmen fuhren im August und September ihre Produktion hoch. Die Regierung verwies zudem auf eine starke Entwicklung der Tourismusbranche. Die Arbeitslosigkeit ist zwar mit 24,6 Prozent immer noch mehr als doppelt so hoch wie im Euro-Schnitt, aber rückläufig.

Bis die Wirtschaftskrise überwunden ist, dürfte es noch eine Weile dauern. Die EU-Kommission sagt dem Krisenland im kommenden Jahr einen Rückgang seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent voraus. 2015 erwartet die Kommission ein Minus von 1,4 Prozent. Licht am Ende des Tunnels sieht sie erst 2017, wenn das griechische BIP um 2,7 Prozent zulegen dürfte.