Ski Alpin

Slalom-Ass im Spät-Herbst seiner Karriere

Statt des Schnees grüßt Reinfried Herbst jährlich das Murmeltier.
© Facebook/Herbst

2006 gewann er Olympia-Silber, 2009 den Slalom-Weltcup. Die ganz große Zeit von Reinfried Herbst ist vorbei. Kein Grund, es nicht ein letztes Mal wissen zu wollen.

Von Max Ischia

Innsbruck – Einer, der sechs Knie-Operationen zu verdauen hatte und sich zwischenzeitlich ohne Kaderzugehörigkeit in die ÖSV-Eliteschmiede zurückkämpfen musste, den kann so schnell nichts erschüttern. Schon gar nicht die Durchsage eines schwedischen Zielraumsprechers. „The Austrian dinosaur“, sprach der Mikro-Mann beim Weltcupfinale in Aare in Richtung Reinfried Herbst, dessen Teamkollegen Mario Matt und Benjamin Raich. Dass die beiden Letztgenannten ihre Ausnahmekarrieren inzwischen hinter sich haben, dürfte in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem despektierlichen Zielraumkommentar stehen.

Damals, also vor gut einem halben Jahr, war aber auch für Reinfried Herbst „ziemlich klar“, dass der zweite Slalom-Durchgang in Aare „wahrscheinlich meine letzte Fahrt sein wird“. War es nicht. Weil sich der „Herbstl“ im Frühjahr dabei ertappte, wie er über diverse Verbesserungen im Sommertraining und im Setup seiner Slalomcarver grübelte. So nachhaltig, dass auch für Gattin Manuela bald klar war, dass ihr Reinfried noch einen finalen Weltcup-Winter dranhängen wird.

Reinfried Herbst will noch einmal durchstarten. Der letzte seiner neun Slalom-Weltcupsiege liegt knapp sechs Jahre zurück.
© Gepa/Lerch

Ein Winter, der aufgrund der Schneearmut in Levi (FIN) am Samstag und Sonntag (jeweils 9 und 11 Uhr) auf FIS-Ebene am Pass Thurn seinen Anfang nimmt. Ein Winter, welchem der inzwischen 37-Jährige gelassen entgegenblickt. Herbst spricht von Spaß, von Lockerheit und von der Gewissheit, weder Ergebnissen noch Ranglisten hinterherfahren zu müssen. Gerade aus diesen Umständen erhofft sich der Edeltechniker, noch einmal ein paar Extra­prozent rauskitzeln zu können. Denn an ehrgeizigen Zielen mangelt es dem redegewandten Salzburger nicht. „Noch einmal auf das Weltcup-Podest, das wär’ schon was.“

Geht es nach ihm, soll Wehmut bei seiner Abschiedstournee nur in homöopathischen Dosen auftreten. „Ich werde sicher nicht bei jedem Ort, den ich verlasse, Tränen vergießen.“

Für die Zeit danach, das Leben nach dem Skifahren, hat der zweifache Familienvater (Felix/7, Lilly/5) schon einige Flausen im Kopf, wie er kryptisch meint. Das Fundament könnte dabei aber der Polizeidienst sein. „Ich bin ja im Grunde schon 15 Jahre dabei.“ Und inzwischen Revierinspektor. „Den machst du nur mit der Zeit.“ Gewissermaßen eine Alterserscheinung ...

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