Fußball: Neulinge Gucher und Onisiwo - Viele Wege führen ins ÖFB-Team

Orihuela (APA) - Robert Gucher (24) und Karim Onisiwo (23) schnuppern diese Woche im Trainingslager in Orihuela zum ersten Mal ÖFB-Teamluft....

Orihuela (APA) - Robert Gucher (24) und Karim Onisiwo (23) schnuppern diese Woche im Trainingslager in Orihuela zum ersten Mal ÖFB-Teamluft. Beide haben sich durch unterklassige Ligen gekämpft, waren vor zwei Jahren noch in der dritthöchsten Leistungsstufe aktiv - Gucher in Italien, Onisiwo in Österreich. Und dennoch dürfen sie bei Ausfällen im ÖFB-Kader von einer EM-Teilnahme im Sommer in Frankreich träumen.

„Für jeden Spieler sind die nächsten sieben, acht Monate im Verein entscheidend“, meinte Gucher. „Dort spielst du dich in die Auslage, das ist für die Nationalteam-Karriere das Wichtigste.“ Der defensive Mittelfeldspieler hat es bei Serie-A-Aufsteiger Frosinone zum Kapitän gebracht. Im Sommer war er auch bereits bei größeren italienischen Vereinen auf dem Radar.

Gucher ist dem „Dorfclub“ aus der 50.000-Einwohner-Stadt keine 100 km südöstlich von Rom treu geblieben. „Ich habe nicht ein Mal daran gedacht, den Verein zu wechseln. Ich weiß, was ich beigetragen haben zu diesem Erfolg, und welches Standing ich dort habe.“ Klares Ziel ist der Klassenerhalt. Nach zwölf Runden liegt Frosinone als 18. einen Punkt hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz.

Dass Teamchef Marcel Koller auch nach Italien schaut, freut ihn. „Das ist eine Bestätigung für den Weg, den ich gegangen bin“, sagte Gucher. „Die drei vergangenen Jahre waren schön, aber es war kein leichter Schritt, am Anfang in die dritte Liga zu gehen.“ Er tat es 2012 nach einem eineinhalbjährigen Leihengagement beim Kapfenberger SV, für den er damals 22 Bundesliga-Spiele absolviert hatte.

Im Frühjahr führte der Steirer Frosinone ins Oberhaus. Für 2016 hat er noch höhere Ziele. „Nach dem Jahr will ich schon den nächsten Schritt machen.“ Mit dem Titel „Nationalspieler“ auf der Visitenkarte dürften die Interessenten nicht weniger werden. Im ÖFB-Camp habe er sich schnell zurechtgefunden. „Durch die Taktikschule aus Italien bin ich viel gewohnt. Außerdem hat es mir die Mannschaft sehr einfach gemacht.“

Gleiches gilt für Onisiwo, um den sich Superstar David Alaba höchstpersönlich angenommen hat. Die Väter der beiden stammen beide aus Nigeria und kennen einander schon länger. Im Gegensatz zu Alaba entschied sich Onisiwo aber kurz vor dem Eintritt doch noch gegen die Akademie der Wiener Austria, spielte stattdessen bereits mit 17 Jahren im Wiener Unterhaus Erwachsenenfußball.

„Am Anfang war es schwierig, aber dort wird man körperlich sehr stark. Dafür lernt man in der Akademie mehr im taktischen Bereich“, erklärte Onisiwo, der neben dem FavAC-Platz in Wien-Favoriten aufgewachsen ist. Seine Physis ist immer noch einer der großen Vorzüge des schnellen Angreifers, der bisher zwei Bundesliga-Tore für Mattersburg erzielt hat. In der Ersten Liga waren es in der Vorsaison 18 gewesen.

Davor hatte sich Onisiwo in der Regionalliga West bei Austria Salzburg verdingt. „Ich bin ein bisschen ein Spätstarter. Aber ich bin sehr froh, dass ich so eine Entwicklung genommen habe und der Teamchef das auch registriert hat“, betonte der Wiener. Im taktischen Bereich müsse er noch arbeiten, habe ihm Koller geraten. „Das ist doch noch ein bisschen anders als im Verein. Aber die Mannschaft hilft mir enorm, auch David hat mich gut herangeführt.“

Wie Gucher in Frosinone steht auch Onisiwo in Mattersburg noch bis 2017 unter Vertrag. Verwirrung hatte zuletzt allerdings über eine möglicherweise unklar formulierte Klausel geherrscht. Mit kolportierten Interessenten, etwa den heimischen Großclubs Rapid, Austria und Salzburg, beschäftigt sich der Stürmer ohnehin noch nicht. Onisiwo: „Ich schaue, dass ich meine Leistung bringe.“