Test

Kleines, noch flotteres Schnäppchen

In 6,7 Sekunden beschleunigt der 192 PS starke Ibiza Cupra von null auf 100 km/h – den sportlichen Kleinwagen bietet Seat bei uns ab 19.990 Euro an.

192 PS für 235 km/h Spitze, eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 6,7 Sekunden, den Auftritt und das Fahrverhalten eines Sportwagens: das alles um nur 19.990 Euro.

Von Peter Urbanek

Barcelona –Der Seat Ibiza Cupra, der Name eine Kunstkombination aus Cup-Racing, bleibt für die spanische VW-Tochter der inoffizielle Sportwagen, bereits in der vierten Generation. Zwar angesiedelt im Kleinwagensektor, schießen seine Fahrleistungen und sein Auftritt weit über das meist brave und biedere Umfeld hinaus. Mit knapp über vier Metern Länge präsentiert sich der Ibiza Cupra für das Modelljahr 2016, seine Einführung in Österreich erfolgt im kommenden Jänner, als fast klassisches 2+2-Coupé, wie man in der Vergangenheit sportlich getrimmte Grand-Turismo-Fahrzeuge bezeichnete.

Auf den Frontsitzen sitzt es sich fest und bequem, die rückwärtige Sitzbank lädt zu keinen Langstreckentests ein, als „Discoflitzer“ von Kitzbühel nach St. Johann oder Kirchberg nehmen die Passagiere sicher eine gewisse Enge auf kurzen Strecken in Kauf. Seat Österreich bietet den neuen Ibiza Cupra einem jugendlich gebliebenen Publikum an, der Preis ist fast 3000 Euro günstiger als der seines Vorgängers. Ein mehr als faires Angebot, aber Seat hat nicht ab-, sondern aufgerüstet. Mit dem VW Polo teilt er sich die Plattform, aus dem Hause Volkswagen kommt auch die neue Motorisierung.

Der 1,8-Liter-TSI-Motor, ein guter Bekannter aus dem Polo GTI, befeuert mit 192 PS den Spanier, eine echte Weiterentwicklung gegenüber dem 1,4-Liter-TSI mit „nur“ 180 PS im bisherigen Modell. Der elektronisch gesteuerte Turbolader mit doppelter Einspritzung macht mächtig Dampf, der Tritt auf das Gaspedal verursacht ein sportwagenaffines Röcheln, allein das macht Spaß. Die große Überraschung bei der Fahrvorstellung im sonnigen Spanien. Plötzlich eine Straßensperre; nicht die grimmige Guardia Civil verlangte Wagenpapiere, sondern die Sportabteilung von Seat hat eine sechs Kilometer lange ehemalige Sonderprüfung der Rallye Cataluna gesperrt, um den Cupra auch unter echten Sportbedingungen zu testen.

Alte Rallye-Gefühle tauchten wieder auf, der Beifahrer schreit dem Fahrer „Wir fahren ohne Roadbook auf Sicht“ ins Ohr, der erste Gang des sehr gut abstimmten 6-GangGetriebes wird eingelegt, der Sportmodus aktiviert, die Start-Stopp-Automatik deaktiviert, die italienisch gestalteten senkrechten Anzeigen der Armaturen bleiben im Auge. Los geht es, da kann das elektronische Sperrdifferenzial des Frontantriebes samt elektronischer Lenkung zeigen, was in dem nur 1260 kg schweren Wagen steckt. Das Drehmoment von 320 Nm, es steht ab 1450 U/min zur Verfügung, drückte den wendigen Dreitürer mit seinen serienmäßigen 17-Zoll-Rädern auch aus engen Kurvenpassagen, die sechs Kilometer waren zu schnell vorbei. Es war eine clevere Idee, das Potenzial des Cupra unter weitgehenden Alltagsbedingungen des Straßenverkehrs zu demonstrieren. Die Zielgruppe der Käufer wird sich über die optimale Connectivity und die weitgehende Serienausstattung freuen, die Umwelt über die CO2-Emission von 139 g/km.

Wer flott fährt, den werden auch bei diesen Fahrleistungen rund 8,6 Liter Verbrauch auf 100 km nur mäßig beeindrucken. Eines verbindet auf jeden Fall Seat Ibiza Cupra und VW Polo GTI: die gemeinsamen Gene mit dem Siegerauto der diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft, dem VW-WRC-Boliden unter Sébastien Ogier.

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