Kickl im TT-Interview

Sebastian Kurz, ein Agent der FPÖ?

© Thomas Boehm / TT

FPÖ-General Herbert Kickl plant für Präsidenten-Wahlkampf und „Österreich zuerst“-Volksbegehren.

FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat im Sommer ein Volksbegehren „Österreich zuerst Teil 2“ ausgesprochen. Wird es dieses Volksbegehren geben?

Kickl:

Die operativen Vorbereitungen laufen. Denn es wird ein direktdemokratisches Votum der Bevölkerung gegen den Wahnsinn der Bundesregierung in der Flüchtlingsfrage geben müssen.

Wann soll es das Volksbegehren geben?

Kickl:

Die erste Hälfte des kommenden Jahres wird sich dafür gut eignen.

Vor der Bundespräsidentenwahl?

Kickl:

Kann sein, dass wir den Wahlkampf um die Hofburg und das Volksbegehren parallel organisieren.

Wann wird die FPÖ entscheiden, mit welchen Kandidaten sie in die Bundespräsidentenwahl geht?

Kickl:

Wir werden unsere Entscheidung Anfang Jänner treffen. Wir sitzen erste Reihe fußfrei.

Sie wollen mir also nicht sagen, wer antritt, aber welches Anforderungsprofil soll der Kandidat der FPÖ haben?

Kickl:

Eins ist klar. So einen Bundespräsidenten wie den amtierenden brauchen wir nicht mehr. Das Anforderungsprofil für den Bundespräsidenten ist für uns klar definiert: Es muss einer sein, der sich anlegt. Sich anlegen heißt, auch einmal gegenüber der Bundesregierung und der EU Flagge zeigen. Denn wenn ich jetzt in die Hofburg schaue, wäre es besser und billiger, dort einen Stempelautomaten zu haben. Heinz Fischer glaubt, das „Gewissen der Nation“ zu sein. Doch dann hält er den Mund, wenn er reden sollte, und redet, wenn es besser gewesen wäre, nichts zu sagen. Der Bundespräsident wird direkt vom Volk gewählt. Mit dieser Verantwortung muss man anständig umgehen und sich nicht hinter der Parteihistorie verstecken.

Die FPÖ braucht Wahlgänge. Rechnen Sie damit, dass im nächsten Jahr auch der Nationalrat neu gewählt wird?

Kickl:

Rot und Schwarz liefern ein jämmerliches Schauspiel ab. Nach der Bundespräsidentenwahl kann eine innenpolitische Dynamik entstehen, die zu Neuwahlen führen könnte. Ich rechne mit einem sehr spannenden Jahr 2016.

Sehen Sie die FPÖ bereits als Volkspartei?

Kickl:

Der Begriff ist übel beleumundet. Ich sehe im Parteienspektrum eine neue politische Mitte — das sind wir. Wir sind der Normalzustand, SPÖ und ÖVP werden zur Ausnahme. Deshalb versuchen ja die ehemaligen Großparteien, unsere Themen zu übernehmen. Wenn ich ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz sehe und höre, denke ich mir immer, er war zuvor beim Briefing in meinem Büro.

Sebastian Kurz ist also Ihr bester Mann in der Regierung?

Kickl:

Ich warte nur noch darauf, dass Kurz als freiheitlicher Agent bezeichnet oder gar enttarnt wird.

Das Gespräch führte Michael Sprenger

Verwandte Themen