Kunst

Kierkegaard und Zwetschkenkuchen

© Sepp dreissinger

Die Kunst ist eine anspruchsvolle Dame, die Malerin ebenso: Maria Lassnig in einem eindrucksvollen Buch-Porträt von Sepp Dreissinger.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck –Als „eine Mischung aus einem kleinen Mädchen, einer misstrauischen Kärntner Bäuerin und einer professionell agierenden Künstlerin“ bezeichnet sie der ehemalige Mumok-Direktor Edelbert Köb. Man begegnet in diesem Buch in der Tat all diesen Seiten der 2014 verstorbenen österreichischen Malerin Maria Lassnig. Aufschlussreich sind vor allem auch die Momente voll Verdruss: über die Galeristen, die ihr die Bilder billig abschwatzen und teuer verkaufen, über den späten Ruhm, den sie dann auch geradezu trotzig für sich beansprucht und gleichzeitig nicht so recht genießen kann.

Mit vielschichtigen, auch nicht ganz einfachen Persönlichkeiten hat der österreichische Fotograf Sepp Dreissinger so seine Erfahrungen. Bekannt sind u. a. seine eindringlichen Porträts von Thomas Bernhard, auch Friedrich Gulda oder Elfriede Jelinek hat er fotografisch begleitet. Maria Lassnig lernt er 1988 kennen, es entwickelt sich eine langjährige Freundschaft, immer wieder besucht er sie auch in ihrem abgelegenen Atelier in Feistritz ob Grades. Bilder in der Natur, voll jugendlicher Energie sind da entstanden, aber auch die „Deprimierungsbilder“, die Lassnig einforderte. Es wird Zwetschkenkuchen gebacken, auch über das Alleinsein geredet: „Die Kunst ist eine anspruchsvolle Dame. Man muss sich ausschließlich ihr widmen, denn sie ist unglaublich eifersüchtig. Wenn man sie betrügt, rächt sich das im Leben“, sagt Lassnig, über die mit diesem Buch ein außergewöhnliches und höchst lesenswertes Porträt entstanden ist. Es versammelt neben den Gesprächen mit Dreissinger oder Kameramann Christian Berger auch Beiträge von Kollegen, Weggefährten, prominenten Kuratoren und Galeristen.

Auch Arnulf Rainer, mit dem Lassnig in den frühen Fünfzigern liiert war und mit dem sie sich zeitlebens in einer Art Wettkampf stehen sah, erinnert sich: an die Zeit in Paris, an Kierkegaard, den sie ihm näherbrachte, an großen Ernst.

Dreissinger begegnet mit der Kamera freilich auch dem schrägen Humor einer auch in ihrer Eigenwilligkeit zutiefst konsequenten Künstlerin.

Verwandte Themen