Terroranschlag in Frankreich

Augenzeugen: „Überall war Blut, auf der Straße lagen Leichen“

© AFP

Hunderte Menschen wurden Freitagabend Zeugen eines der schlimmsten Terrorangriffe auf die französische Hauptstadt.

Paris – Es sollte eine ausgelassene fröhliche Nacht werden, ein Konzert für eingefleischte Metal-Fans, ein Fußballspiel der Superlative im Stadion, ein nettes Gespräch unter Freunden beim Pizza-Essen oder Kaffee-Trinken. Der Abend endete mit Blut, Tränen, Verzweiflung und Schock.

Freitag der 13.: Dieser Tag wird den Menschen in Paris wohl für immer in Erinnerung bleiben. Mindestens 129 Tote, 352 Verletzte, „Szenen wie im Krieg“ – die französischen Medien rangen am nächsten Morgen nach Worten um das unfassbare Blutbad in einer der modernsten Metropolen Europas in Worte zu fassen.

Konzertabend endet in Blutbad

„Plötzlich sind zwei oder drei Individuen in die Halle gestürmt. Zuerst habe ich noch gedacht, es ist Teil der Show – aber sie haben sofort angefangen blind in die Menge zu schießen. Da habe ich verstanden, dass das kein Scherz ist“, schildert der Journalist Julien Pearce gegenüber der Tageszeitung Le Monde.

Pearce war gemeinsam mit Freunden bei dem Konzert der „Eagles of Death Metal“ in der Konzerthalle Bataclan. „Es hat sicher zehn bis 15 Minuten gedauert. Sie haben ihre Waffen nachgeladen, sie hatten alle Zeit, die sie brauchten. Es gab einen Moment, als die Schüsse aufhörten, den haben wir dann genutzt, um über den Notausgang zu flüchten. Auf der Straße sahen wir viele Menschen liegen, die blutüberströmt waren“, sagte der Journalist.

„Alle haben sich hingelegt, die Angreifer haben dann losgeschossen. Es wurden sicher 20 bis 30 Mal geschossen, ich habe die Sturmgewehre der Angreifer gesehen. Ich bin dann später über Körper gestiegen, überall war Blut. Auf der Straße lagen die Toten“, wird ein weiterer Zeuge aus dem Bataclan zitiert.

Die Angreifer waren schwarz gekleidet. Sie trugen Automatik-Waffen, einer soll eine Kalaschnikow benützt haben. Als die Polizei das Bataclan wenige Minuten nach Mitternacht stürmte, gab es drei lautstarke Explosionen. Schüsse waren zu hören. Drei der vier Angreifer hatten ihre Sprengstoffwesten gezündet und sich selbst in die Luft gesprengt. Der vierte wurde zunächst von Schüssen der Polizei getroffen, seine Weste explodierte ebenfalls, als er umfiel.

„Überall war Blut, Körper lagen herum. Wir hörten Schreie, jeder hat versucht, da raus zu kommen“, erklärte der Radiomoderator Pierre Janaszak gegenüber „France24“.

Angriffe waren koordiniert

Unweit des Bataclan kam es zeitgleich zu Angriffen in Cafés und Restaurants. „Wir hörten Schüsse, mindestens eine halbe Minute lang. Es war endlos. Zuerst dachten wird, dass es sich um ein Feuerwerk handelt“, erzählte Augenzeuge Pierre Montfort, der in der Nähe des „Petit Cambodge“ wohnt, das eines der Ziele der Attentäter war.

„Als wir beim ,Petit Cambodge‘ ankamen, lagen Leute am Boden, man hörte Schreie. Jemand dürfte mit einem Auto in die Auslage gefahren sein, denn sie war entsprechend verformt. Ich habe gar nicht verstanden, was da passiert ist. Die Feuerwehren sind schnell gekommen, es herrschte für einen Moment absolute Stille“, erzählte eine weitere Zeugin gegenüber Le Monde.

Zwischen 21 und 22 Uhr erschütterten drei Detonationen auch das Stade de France, in dem 80.000 Menschen das Fußballländerspiel Frankreich gegen Deutschland verfolgten. „Zuerst dachten wir, es handelt sich um laute Böller, aber ich habe sofort zu meinem Kameramann gesagt, dass das eigentlich zu laut war dafür. Kurze Zeit später brachen auch die Telefonnetze kurzfristig zusammen. Langsam kamen dann die ersten Meldungen über die sozialen Netzwerke herein“, schildert ein Reporter von N24.

Angriff auf Stadion misslang

Die Terroristen sollen versucht haben, sich Zugang zum Stadion zu verschaffen. Als ihnen das nicht gelang, sprengten sie sich alle drei in unmittelbarer Nähe in die Luft. Das Länderspiel wurde aus Sicherheitsgründen zu Ende gespielt. So sollte eine Massenpanik verhindert werden. „Wir sind mehrere Minuten über die Stufen bis zur Absperrung des Stadion marschiert. Alles war geschlossen. Plötzlich hörten wir aus der Ferne Schreie – es waren Schreie des Schocks und des Terrors. Die Menschen haben offenbar gerade erfahren, was passiert ist. Wahrscheinlich durch SMS von besorgten Familienmitgliedern oder Freunden. Plötzlich haben alle angefangen zu laufen“, berichtete ein Stadionbesucher im Gespräch mit Le Monde.

Freitag der 13.: Paris wurde bis ins Mark getroffen. Die Angreifer haben mit ihrem Blutbad ein Ziel erreicht: Verunsicherung und Angst zu verbreiten. Menschen trauten sich auch am Tag danach nicht mehr in die U-Bahn, auf öffentliche Plätze. Mit einem Schlag war der Puls der Stadt erlahmt. Präsident Hollande rief die Franzosen in der Nacht auf, dem Terror nicht klein beizugeben. Wie schon nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werden die Terroristen aber eines nicht erreichen – Frankreich zu erpressen. Die Menschen werden wieder aufstehen, das Leben wird zurückkehren in diese multikulturelle Stadt. Und der Kampf gegen den Terrorismus wird eine neue Dimension erreichen. (rena)

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