Terroranschlag in Frankreich

Angeschossener Tiroler in Paris außer Lebensgefahr

In der Veranstaltungshalle Bataclan schossen die Angreifer wahllos auf Konzertbesucher.
© AFP

Unter den Konzertbesuchern in der Veranstaltungshalle Bataclan waren mindestens drei Tiroler. Einer von ihnen, ein 20-Jähriger aus Tarrenz, wurde verletzt. Die Vorband aus Tirol war zum Zeitpunkt des Anschlags nicht in der Halle, ein Mitarbeiter der Gruppe wurde jedoch getötet.

Paris, Innsbruck – Unter den zahlreichen Verletzten der Anschläge von Paris ist auch ein 20-jähriger Tiroler. Der Tarrenzer war bei dem Konzert in der Veranstaltungshalle Bataclan unter den Zuschauern, wie der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll, gegenüber TT Online bestätigte. Zunächst war lange nicht bekannt, wo sich der junge Mann befindet. In den Abendstunden des Samstag bestätigte aber ein Sprecher des Außenministeriums, dass der 20-Jährige außer Lebensgefahr sei. Derzeit sei er aber noch nicht transportfähig, hieß es in der Nacht auf Sonntag. Sobald es sein Gesundheitszustand zulässt, soll der junge Mann nach Österreich gebracht werden.

Rudolf Köll, Bürgermeister von Tarrenz, ist geschockt: „Ich kenne das Opfer gut. Schließlich hat der junge Mann in der Gemeinde auch als Zivildiener im Pflegeheim gearbeitet.“ Dieser sei ein extrem sozialer Mensch und hervorragender Musiker. Er spielt als Gitarrist in einer Band.

Köll wurde Samstagfrüh informiert, dass einer seiner Gemeindebürger unter den Verletzten der Pariser Terrorangriffe sei. Zu diesem Zeitpunkt war der Vater des Opfers schon auf dem Weg nach Frankreich. Gemeinsam mit einem Arzt der Imster Privatklinik Medalp – einem Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie – will er sich selbst um seinen Sohn kümmern. Die heimischen Behörden sind über die Reise informiert. Der 20-jährige Oberländer soll bei dem Anschlag einen Bauchschuss erlitten haben, diese Meldung konnte jedoch das Außenministerium nicht bestätigen. In welchem Krankenhaus der Verletzte behandelt wird, konnte Köll zufolge noch nicht herausgefunden werden.

Tiroler Band „White Miles“ unverletzt

Zwei weitere Konzertbesucher aus Tirol seien laut Schnöll „unversehrt“. Zur Tiroler Band „White Miles“ habe das Außenamt ebenfalls Kontakt. Den beiden Musikern gehe es gut, so die Informationen des Außenministeriums. Einem Bericht der österreichischen Presseagentur APA zufolge war das Duo gerade beim Essen holen, als es zu dem Anschlag kam. Nach dem Auftritt „haben wir bei einem Take-Away um die Ecke etwas zum Essen geholt“, erklärte Drummer und Sänger Hansjörg „Lofi“ Loferer. In dem Moment, als die beiden Musiker wieder zur Halle gehen wollten, begann die Attacke. „Uns ist ein Polizist entgegengekommen und hat ‚Schießerei‘ usw. geschrien. Wir sind wieder zurückgerannt und in das Geschäft hinein“.

Medina Rekic und Hansjörg Loferer auf einem undatierten Archivbild.
© TT-Archiv

Angesichts des Todes eines britischen Crewmitgliedes erklärte Loferer der APA: „Einer von uns ist nicht mehr unter uns.“ Etwas später seien Leute aus der Halle gekommen, die Opfer der Anschläge geworden sind. Der getötete Brite verkaufte nahe des Halleneingangs Merchandising-Artikel für die beiden Bands.

Unmittelbar nach dem Angriff waren laut dem Musiker überall Sirenen und Schreie zu hören, „der Lärmpegel war sehr hoch“. Die Band habe die ganze Nacht auf der Straße und dem Polizeirevier verbracht. „Ich fange gerade erst damit an, zu realisieren, was passiert ist und weiß selbst nicht, wie es mir gerade geht, weil es sehr surreal ist“, erklärte Loferer. Auf eine Anfrage der TT bat man um Geduld. „Im Augenblick brauchen die beiden etwas Ruhe. Des weiteren wissen wir selber noch nicht, was weiter passiert. Ob und wie lange die beiden noch in Paris bleiben, ist zur Stunde noch offen.

Schnöll betonte gegenüber TT Online, dass man „eine Reihe von Maßnahmen gesetzt hat. Der Bereitschaftsdienst wurde aufgestockt, der Krisenstab einberufen. Vor Ort versuchen sich die Mitarbeiter der Botschaft einen Überblick zu verschaffen.“ Die vier unversehrten Tiroler und Angehörige seien mittlerweile an einem sicheren Ort und würden von der Botschaft betreut.

Außenminister und LH Platter sichert Unterstützung zu

Landeshauptmann Günther Platter sicherte betroffenen Tirolern in Paris „vollste Unterstützung“ zu. „Es ist unfassbar, was sich Menschen gegenseitig antun können“, kommentiert der tief betroffene Landeshauptmann den jüngsten Terror in Frankreich. Er stehe in Kontakt mit den Angehörigen, Außenminister Kurz und Österreichs Botschafterin in Paris, Ursula Plassnik.

„Ich habe soeben im Amt der Landesregierung veranlasst, dass der verletzte Tiroler und seine Familie jegliche Unterstützung erhalten, die sie brauchen“, versichert Platter. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sicherte der Familie „in dieser unfassbar schweren Stunde“ seine „volle Unterstützung“ zu, hieß es aus dem Außenministerium. Seit dem Bekanntwerden der Geschehens sei man mit der Familie des Opfers in Kontakt gestanden. (saku, TT.com)

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