Widerstandsmahnmal in Bregenz enthüllt

Bregenz (APA) - In Bregenz ist am Samstag das Widerstandsmahnmal enthüllt worden. Mit dem von Künstlerin Nataša Sien?nik geschaffenen Projek...

Bregenz (APA) - In Bregenz ist am Samstag das Widerstandsmahnmal enthüllt worden. Mit dem von Künstlerin Nataša Sien?nik geschaffenen Projekt soll jener Vorarlbergerinnen und Vorarlberger gedacht werden, die dem Nazi-Regime den Gehorsam verweigert hatten. Allen voran den Deserteuren und Wehrdienstverweigerern.

Während des Krieges wurden Deserteure und Wehrdienstverweigerer gnadenlos verfolgt, die meisten mussten ihren Ungehorsam mit dem Leben bezahlen. Aber auch nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ widerfuhr den Verfolgten keine Gerechtigkeit: Gesellschaftlich geächtet als „Verräter „ und „Feiglinge“ waren sie rechtlich und finanziell sogar schlechter gestellt als SS-Leute, die in Konzentrationslagern ihren Dienst versehen hatten. Rechtlich wurde die Position dieser - meist schon verstorbenen - Opfer des Nationalsozialisten vor weniger Jahren „repariert“, mit dem am Samstag enthüllten Mahnmal soll auch die gesellschaftliche Reputation dieser stillen Helden betont werden.

Festrednerin Ágnes Heller, die selbst nur durch Flucht dem Holocaust entrinnen konnte, sprach in ihrer Rede „Eine Welt, die Helden brauchte“ über das große Risiko für Soldaten, die nicht weitermachen wollten. „Man sagte ihnen, dass es nicht die Aufgabe der Soldaten sei zu entscheiden, ob ein Krieg gerecht oder ungerecht ist. Und doch haben sie einen Entschluss gefasst. Ihre Liebe galt der Wahl, der Freiheit der Wahl.“ Die Biografien der Vorarlberger Deserteure und Wehrdienstverweigerer zeigen viele Facetten: Von Sozialisten über vaterlandstreue Christen bis zu Pazifisten. „Deserteure sind in normalen Zeiten verachtet. Aber wir sprechen nicht über normale Zeiten. Wehrmachtsdeserteure waren nicht feige, im Gegenteil. Ihr Risiko war größer als jenes der kämpfenden Soldaten“, betonte Heller.

Das am Bregenzer Sparkassenplatz eingerichtete Mahnmal wurde von der Kärntner Künstlerin Nataša Sien?nik geschaffen, es wurde nach Abschluss eines zweiphasigem Wettbewerbs ausgewählt. Das Projekt „Fallblattanzeige“ zeigt - technisch ähnlich einer Anzeigetafel an Bahnhöfen - die Namen und Schicksale der Opfer.