Paris-Terror - Kreml-naher Politologe fordert „Antiterror-Koalition“

Moskau/Wien/Paris (APA) - Die Rolle von Frankreich als nahöstliche Kolonialmacht zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg sowie die Sat...

Moskau/Wien/Paris (APA) - Die Rolle von Frankreich als nahöstliche Kolonialmacht zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg sowie die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und Schlampereien französischer Behörden sind Gründe für die Auswahl von Paris als Terrorziel. Dies erklärte am Samstag der Kreml-nahe russische Politologe Sergej Markow via Facebook.

Obwohl hauptsächlich Russland und die USA die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ in Syrien bombardierten, verkörpere gerade Frankreich wegen einer Kolonialvergangenheit in der Region für Syrer, Iraker und Libanesen den Westen, erklärt Markow. Zusätzlich hätten sehr viele Islamisten aufgrund von Schlampereien der französischen Behörden und ihrer Nichteinmischung in religiöse Organisationen in ganz Frankreich Fuß gefasst, schreibt er. „Jetzt bombardiert Frankreich ein wenig, und in Paris gibt es dieses idiotische ‚Charlie Hebdo‘, das Muslime beleidigt. Das sind Gründe für den Anschlag in Paris“, meint der prominente russische Politologe.

Markow spekuliert zudem über weitere geplante Terroranschläge in Westeuropa und glaubt auch, dass in Moskau eine Serie von Anschlägen vorbereitet werden könnte. „Wir müssen sehr schnell eine Große Antiterror-Koalition formieren“, fordert Markow mit Verweis auf die in Wien laufenden Syrien-Gespräche. Frankreich, so denkt er, könnte diesbezüglich als Initiator einer derartigen Koalition auftreten, der sich die USA, Russland, Syrien in der Figur von Assad und kleine, nicht-jihadistische Oppositionsgruppen Syriens anschließen sollten.

Gleichzeitig sollte Frankreich aber fordern, dass die USA, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei ihre militärische Unterstützung für gemäßigte Jihadisten einstellen. Denn diese militärischen Hilfsleistungen, so erklärt Markow, gingen letztlich an radikale Jihadisten.