Strenge Séance: „Available Light“ im Festspielhaus St. Pölten

St. Pölten (APA) - Mit dem 1983 entstandenen, nun wieder aufgenommenen Stück „Available Light“ hat die Lucinda Childs Dance Company am Freit...

St. Pölten (APA) - Mit dem 1983 entstandenen, nun wieder aufgenommenen Stück „Available Light“ hat die Lucinda Childs Dance Company am Freitag Abend ein bejubeltes Gastspiel im Festspielhaus St. Pölten gegeben. Eine strenge, kühle, einstündige Séance von hoher ästhetischer Qualität.

„Ich verwende geometrische und mathematische Formen, um mein Material zu organisieren. Aber das sind nur Tools“, wird Childs im Programmheft zitiert. Diese Abstraktion scheint in „Available Light“ - die Uraufführung fand anlässlich der Eröffnung des Museum of Contemporary Art in Los Angeles statt - zu einem schon artifiziell anmutenden Ausmaß gesteigert.

Zur sphärenhaft-suggestiven Minimal Music von John Adams, die vom Band erklingt, und im grauen Industriedesign von Frank O. Gehry mit seinen zwei Ebenen wirkt das elfköpfige Ensemble, gekleidet in weiße, rote und schwarze ein- oder zweiteilige Kostüme, wie ein fernes Planetensystem, bei dem jeder Körper - trotz synchroner Passagen - isoliert von den anderen agiert. Oder wie ein nach geheimen Gesetzmäßigkeiten gestaltetes molekulares Bewegungsmuster.

Posen mit senkrecht oder waagrecht ausgestreckten Armen, Drehungen in der Diagonale, Vor- und Rückschritte kontrastieren mit Stillständen in Habt-Acht-Haltung. Die Gesamtwirkung hat etwas Meditatives, zugleich Automatenhaftes und durch die Absenz von Interaktion auch Unheimliches, Irreales an sich. Das Publikum empfand sich offenbar titelgemäß als erleuchtet, und die 75-jährige Choreografin nahm auf der Bühne gemeinsam mit ihrer Company ausgiebigen Beifall entgegen.

(S E R V I C E - Festspielhaus St. Pölten, www.festspielhaus.at)