Renate Brauner - Wieder großes „Hallöchen“ für Wiens Oberfinanzerin

Wien (APA) - Sie darf über Milliarden wachen: Mit Renate Brauner (59) bleibt eine der mächtigsten Rathauspolitikerinnen Wiens Oberfinanzerin...

Wien (APA) - Sie darf über Milliarden wachen: Mit Renate Brauner (59) bleibt eine der mächtigsten Rathauspolitikerinnen Wiens Oberfinanzerin. Die seit frühen Tagen sehr enge Vertraute von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ist auch in der neuen rot-grünen Stadtregierung mit dem Finanzressort und somit einem Jahresbudget von rund 13 Mrd. Euro betraut. Den Job macht die Ökonomin bereits seit 2007.

„Als Finanzstadträtin kann man in Zeiten, wo gespart werden muss, keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen“, sagte die 59-Jährige vor einigen Monaten in einem Interview. Tatsächlich war die erfahrene SPÖ-Frau, deren fröhlich geträllertes „Hallöchen“ eine Art Markenzeichen geworden ist und inzwischen gar titelgebend für ihrem Instagram-Account „beihalloechen“ ist, in den vergangenen Jahren immer wieder harter Kritik ausgesetzt. Seitens der Opposition wurde Brauner etwa regelmäßig der steigende Schuldenstand Wiens angekreidet - Misstrauensanträge inklusive. Laut Voranschlag 2015 ist eine Neuverschuldung von 221 Mio. Euro vorgesehen, was das Minus in der Stadtkasse auf insgesamt gut fünf Mrd. Euro anwachsen lässt.

Die Ressortchefin konterte in beinahe mantraartiger Vehemenz, dass man sich aus der Krise herausinvestieren müsse anstatt in eine neue Krise hineinzusparen. Die Franken-Kredite der Stadt brachten Brauner ebenfalls unter Druck. Wien änderte als größte Gemeinde Österreichs 2011 seine Strategie und verzichtet seitdem auf diese Art der Finanzierung. Der steigenden Arbeitslosigkeit - Wien ist im Bundesländervergleich seit längerem verlässliches Schlusslicht - versuchte Brauner nicht zuletzt mit Qualifizierungsmaßnahmen zu begegnen.

Abseits von Finanzen und Wirtschaft ressortierte mit den Wiener Linien auch ein äußerst wirkungsmächtiges Stadtunternehmen bei Brauner, womit die nicht unbedingt als Rot-Grün-Euphorikerin bekannte SPÖ-lerin thematisch zwangsläufig bei der grünen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou anstreifte. Im Rathaus war diesbezüglich immer wieder von Dissonanzen zu hören: Die Öffi-Chefin war angeblich nicht sehr begeistert von der seitens der Grünen gepushten 365-Euro-Jahreskarte. Dafür drückte Brauner den Bau der U5 durch und stieß den Koalitionspartner damit einigermaßen vor den Kopf. Da nun Ulli Sima mit den Stadtwerke-Agenden betraut wurde, ist zumindest für Brauner dieses Konfliktfeld Geschichte.

Geboren wurde die sich gern quirlig gebende Rote und deklarierte Feministin am 23. Oktober 1956 in Wien, wo sie nach Anfang der 1980er-Jahre das Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften abschloss. Schon während der Uni-Zeit begann ihr politisches Engagement. Im Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ) brachte sie es bis zur Wiener Vorsitzenden. Bereits damals war sie mit späterer SPÖ-Prominenz wie Brigitte Ederer oder Michael Häupl aktiv, wobei sie mit dem späteren Bürgermeister vorrübergehend auch mehr als nur die Liebe zur Politik teilte.

1990 wurde sie Mitglied des Wiener Landtages und Gemeinderates. Die Position als amtsführende Stadträtin für Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal übernahm Brauner im November 1996. In ihre Amtszeit fallen unter anderem das Ausländerwahlrecht auf Bezirksebene und die Gründung einer eigenen Magistratsabteilung für Integration. Im Jahr 2004 wurde sie Gesundheitsstadträtin, als die sie unter anderem die Schienen für das gerade im Bau befindliche Krankenhaus Nord legte. Drei Jahre später übernahm sie die Finanzagenden und wurde Vizebürgermeisterin - ein Posten, den sie jetzt zugunsten der Grünen wieder abgeben muss.

Brauner ist in der Landespartei äußerst gut verankert. Immerhin kommt sie nicht nur aus der Arbeiterkammer, sondern hat als Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen auch ein einflussreiches Netzwerk hinter sich. Trotzdem war die Beliebtheit bei der Basis nicht immer überbordend. So wurde sie etwa 2011 von nur 72 Prozent der Funktionäre im Vorstand bestätigt. Bei der bis dato letzten Wahl des Führungsteams schaffte sie immerhin 80 Prozent - lag damit aber im Vergleich zu den anderen Vorstandsmitglieder ebenfalls am unteren Ende. Zumindest in einem Punkt schlägt Brauners Herz jedenfalls grün: Sie ist leidenschaftliche Rapid-Anhängerin.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA457 2015-11-14/17:31