Andreas Mailath-Pokorny - Jetzt auch ein Sportler

Wien (APA) - Er ist - zumindest was das Gardemaß betrifft - der Größte der Wiener Stadtregierung: der 2,01 Meter messende Kulturstadtrat And...

Wien (APA) - Er ist - zumindest was das Gardemaß betrifft - der Größte der Wiener Stadtregierung: der 2,01 Meter messende Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Seit 14 Jahre führt er die Wissenschafts- und Kulturagenden der Stadt. Im neuen Regierungsteam rund um Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) verantwortet der bekennende Austrianer nun auch die Sportagenden.

Der SPÖ-Politiker war 2001 Nachfolger von Peter Marboe geworden, der in der rot-schwarzen Koalition im Namen der Volkspartei für die Kultur verantwortlich zeichnete. Wobei sich die Stadtratsfunktion in Wien als bisher stabilste Periode in einer durchaus schillernden Mailath-Pokorny‘schen Karriere erwiesen hat.

Dabei ist es dem nunmehr neuen alten Ressortchef durchaus gelungen, im Wiener Kulturbereich seine Spuren zu hinterlassen. Ein großer Brocken in der Vergangenheit war etwa die Neuorganisation der Musiktheater, bei der das Theater an der Wien zum Stagione-Opernhaus wurde, während das grundsanierte Ronacher gemeinsam mit dem Raimundtheater nun als Musicalbühne fungiert.

Eines der zentralen Projekte der vergangenen Legislaturperiode war die Entscheidung über die bauliche Zukunft des Wien Museums. Es wurde aber nicht der ursprünglich von Mailath-Pokorny favorisierte Neubau mit Signalcharakter am Hauptbahnhof-Gelände, sondern ein Erweiterungsbau zum Stammhaus am Karlsplatz. Wie dieser aussieht, ist noch nicht bekannt: Auch zahlreiche personelle Entscheidungen wurden zuletzt getroffen - etwa was die Leitungen des Volkstheaters und des Schauspielhauses oder die Intendanz der Wiener Festwochen. Er realisierte außerdem das Deserteursdenkmal am Ballhausplatz.

Geboren wurde Paul Andreas Mailath-Pokorny am 15. November 1959 in Wien - womit er die nun geerbten Sportagenden durchaus als leicht verfrühtes Geburtstagsgeschenk werten mag. Aus Paul machte das Geschmacksurteil der Umwelt jedoch bald Andreas zum Rufnamen. Nach der 1978 bestandenen Matura am Akademischen Gymnasium studierte er Jus und Politologie an der Universität Wien. Das Jus-Doktorat machte er 1983, das Studium der Politikwissenschaft schloss er 1986 mit einer Dissertation über „Öffentliche Meinung und US-amerikanische Außenpolitik“ ab. Dazwischen besuchte er 1984 und 1985 die Johns Hopkins University in Bologna und erwarb ein Diplom in „International Relations“.

Nach der freien Mitarbeit in verschiedenen Medien wie dem ORF oder der „Kronen Zeitung“ sowie einer Gerichtspraxis in Wien, arbeitete Mailath-Pokorny 1986 bei der „Federation Internationale des Grandes et Moyennes Entreprises de Distribution“ in Brüssel mit. In diesem Jahr trat er auch in den diplomatischen Dienst des Außenministeriums ein und war im Völkerrechtsbüro sowie als Mitglied der KSZE-Delegation tätig. Mit 1. Jänner 1988 kam er ins Kabinett des damaligen SPÖ-Bundeskanzlers Franz Vranitzky,, wo er unter anderem für die Kulturagenden verantwortlich zeichnete und Kontakte zu den heimischen Kulturschaffenden knüpfte. 1994 wurde er Vranitzkys Büroleiter.

1996 ernannte Kunstminister Rudolf Scholten den hochgewachsenen Diplomaten nach einem Auswahlverfahren zum Leiter der damals im Wissenschaftsministerium ressortierenden Kunstsektion. Bei seiner Arbeit erwarb sich Mailath-Pokorny dabei in weiten Teilen der Kulturszene den Ruf eines seriösen und fachkundigen Verhandlers.

Nach der schwarz-blauen Wende kam es jedoch zunehmend zu Unstimmigkeiten zwischen Mailath-Pokorny und Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP). So leitete Morak eine Umstrukturierung der Kunstsektion in die Wege, die allgemein als beginnende Entmachtung des Sektionschefs gewertet wurde. Da kam für Mailath-Pokorny das Angebot gerade recht, Kulturstadtrat in Wien zu werden.

Als Ehefrau steht dem gerade noch 54-Jährigen seit fünfzehn Jahren Sonja Kato-Mailath-Pokorny zur Seite. „Kostbar ist für mich Wiener Wasser und vor allem die Zeit mit meinem Mann“, zeigt sich die Gefährtin auf ihrer Homepage romantisch. 2004 heiratete Mailath-Pokorny die PR-Frau, die unter anderem für die verstorbene Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Stadträtin Renate Brauner (beide SPÖ) tätig war, bevor für einige Jahre in den Gemeinderat einzog. Später fungierte sie als Kommunikationschefin von ProSiebenSat.1 Austria und betreibt nun eine PR-Agentur. In Summe hat Mailath-Pokorny drei Söhne.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA460 2015-11-14/17:33