Michael Ludwig - Smarter Wohnbaustadtrat muss nicht umziehen

Wien (APA) - Michael Ludwig (54) bleibt der Mann fürs Wohnen - also verantwortlich für einen der sensibelsten Bereiche im roten Wien. Ressor...

Wien (APA) - Michael Ludwig (54) bleibt der Mann fürs Wohnen - also verantwortlich für einen der sensibelsten Bereiche im roten Wien. Ressortchef ist er schon seit 2007. Was wohl in den Augen der Genossen sonst noch für ihn spricht: Der studierte Historiker kommt aus Floridsdorf und ist damit Vertreter eines Flächenbezirks. Er wird auch immer wieder als möglicher Kandidat für ein noch höheres Amt gehandelt.

Der am 3. April 1961 geborene Wiener übernahm den Stadtratsposten für Wohnen und Stadterneuerung im Jänner 2007 vom nunmehrigen Kanzler Werner Faymann, der damals als Infrastrukturminister in den Bund wechselte. Im März 2009 stieg er zudem zum Vizebürgermeister auf, als Nachfolger der nach dem Pratervorplatzdebakel zurückgetretenen Grete Laska. Die Freude darüber währte jedoch nicht lange: Er musste den Titel bei der Erstauflage von Rot-Grün im Jahr 2010 an Neo-Stadträtin Maria Vassilakou (Grüne) abtreten.

In der jüngsten Legislaturperiode gab sich die vom stets konziliant wirkenden Ressortchef verantwortete rote Wohnbaupolitik zunächst modern, dann aber ziemlich retro. Ludwig propagierte 2012 die sogenannten Smart-Wohnungen. Diese von Bauträgern errichteten Objekte sind kleiner, schlichter und günstiger als „normale“ geförderte Wohnungen. Prompt amüsierte sich Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) öffentlich über die Bezeichnung. Es war auch der Stadtchef, der 2015 bei der roten Klubtagung in Rust verkündete, dass Wien wieder Gemeindewohnungen bauen wird, nachdem der eigentliche Ressortchef zuvor Jahre lang dagegen argumentiert hatte.

In den bestehenden rund 220.000 städtischen Wohneinheiten setzte Michael Ludwig unter anderem auf Law-and-Order - also etwa auf die Hausordnung. Die ließ er nämlich in insgesamt 17.000 Stiegenhäusern affichieren, in übersichtlicher Kurzform und mit Piktogrammen zur Erläuterung. Erklärungsbedarf hatte aber auch die Gemeindebau-Verwaltung „Wiener Wohnen“ selbst, etwa als mutmaßliche Fehlverrechnungen von Handwerksfirmen kolportiert wurden. Der oberste Hausherr kündigte darauf an, sanierte Objekte buchstäblich auseinander zunehmen, um die ordnungsgemäße Durchführung von Arbeiten zu überprüfen.

Strenge ließ Michael Ludwig, der in schöner Regelmäßigkeit als Nachfolger von Bürgermeister Michael Häupl ins Spiel gebracht wird, auch mit Neu-Zuzüglern walten. 2015 wurde der Zugang zum städtisch subventionierten Wohnbau verschärft. Seither gilt: Je länger man in Wien hauptgemeldet ist, desto weiter rückt man auf der Warteliste nach vorne. Diese Regelung war ein weiterer Mosaikstein in jenem Ludwig-Bild, das Kritiker - auch aus der eigenen Partei - gerne verbreiten.

Der Stadtrat wolle, so sagen sie, jenes Klientel bedienen, das sich auch für Parolen der FPÖ erwärmen kann. Tatsächlich ist diese Zielgruppe im Gemeindebau durchaus häufig vertreten, wobei der Ressortchef wenige Tage nach der Wahl zur Verteidigung schritt. Aus den von ihm veröffentlichten Zahlen ging hervor, dass die SPÖ in den einstige Bastionen des roten Wien sehr wohl stärkste Partei geblieben ist - jedoch: nur sehr knapp.

Aktiv wurde Ludwig auch, als heuer der Verlust „seines“ Bezirks drohte. Eine Zeit lang sah es so aus, als ob in Floridsdorf die Freiheitlichen bei der Bezirksvertretungswahl stimmenstärkste Partei werden könnten. Erst die Briefwahl-Auszählung änderte das Ergebnis zugunsten der Roten. Der SPÖ-Bezirksobmann Michael Ludwig jubilierte darüber via Aussendung bereits vor Bekanntwerden des offiziellen Endresultats.

Vor seinem Stadtratsamt setzte Ludwig seine Schwerpunkte vorrangig im Kulturbereich, wobei seine politische Laufbahn relativ spät begann. 1991 wurde er zum Landesbildungssekretär der SPÖ ernannt, 1994 zum Bezirksrat in Floridsdorf gewählt. 1996 zog er in den Bundesrat ein, wo er drei Jahre blieb. Im Gemeinderat übernahm der am 3. April 1961 geborene Ludwig den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Kulturausschusses.

Für diese Aufgabe hatte er in seinem Hauptberuf Erfahrung sammeln können. Der studierte Politologe und Historiker ist Vorsitzender des Verbandes Wiener Volksbildung und damit Chef der traditionsreichen Volkshochschulen im Roten Wien. Ludwig war als Kurs- und Projektleiter in der Erwachsenenbildung tätig, bevor er 1986 zum pädagogischen Leiter einer Volkshochschule avancierte. Daneben war er von 1991 bis 2007 Landesstellenleiter in der politischen Akademie der SPÖ, dem Dr. Karl-Renner-Institut.

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