Sandra Frauenberger - Stille statt schrille Stadträtin lernt nun dazu

Wien (APA) - Ruhig, dienstbeflissen - und selten aktionistisch: Mit diesen Eigenschaften kann SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger (49) beschr...

Wien (APA) - Ruhig, dienstbeflissen - und selten aktionistisch: Mit diesen Eigenschaften kann SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger (49) beschrieben werden. Seit 2007 sitzt sie in der Wiener Stadtregierung und war in der vergangenen Legislaturperiode für Frauen- und Integrationsagenden sowie Personal zuständig. In der neuen rot-grünen Regierung wird ihr Portfolio nun mit dem Schlüsselressort Bildung aufgefettet.

Zu den bisherigen Zielen Frauenbergers zählten die Gleichstellung und die Chancengleichheit für alle Menschen. Schon seit den Anfängen hat sich die Karriere der laut eigenen Angaben „leidenschaftlichen“ Politikerin hauptsächlich im frauenpolitischen Bereich sowie bei der Gewerkschaft abgespielt. Beruflich begann ihr Engagement 1984 mit den Eintritten in die Länderbank und in die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Innerhalb der Gewerkschaft stieg sie von der Jugendreferentin zur Frauensekretärin und 1999 schließlich zur Leiterin der Bundesfrauenabteilung auf.

Ab 2004 saß sie überdies im Bundesvorstand des ÖGB und im GPA-Bundespräsidium. Im Juni 2006 übernahm sie für ein Jahr auch den Vorstandsvorsitz des Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (WAFF).

Ihre politische Heimat hat Frauenberger - ebenso wie Parteikollegin Renate Brauner - in der SPÖ-Margareten. Dort ist sie seit 1997 aktiv, als sie zum Mitglied des Bezirksfrauenkomitees avancierte. 2001 stieg sie in die entscheidenden Bezirksgremien auf, 2009 löste sie Brauner als Vorsitzende ab. Im Wiener Gemeinderat besitzt sie seit 2001 ein Mandat. Im Jänner 2007 wurde sie als Nachfolgerin von Sonja Wehsely amtsführende Frauenstadträtin. Weiters war sie für die Integrationsagenden, Verbraucherschutz sowie Personal zuständig. Den Konsumentenschutz verantworten künftig die Stadtratskolleginnen Ulli Sima und Renate Brauner, dafür wird sich Frauenberger dank ihrer neuen Zuständigkeit für Bildung einiges an neuem Wissen aneignen müssen.

Zu Frauenbergers bisherigen Arbeitserfolgen zählt die Gründung der „Wiener Zuwanderungskommission“ - ein Expertengremium, das Empfehlungen in Sachen Zuwanderung erarbeitete, die der Stadt als Leitfaden für die Gestaltung der Migrationspolitik innerhalb der nächsten zehn Jahre dienen soll. Zudem fällt unter ihre Amtszeit das „Schnüren“ zahlreicher Pakete, so das „Verpartnerungspaket“ zur Umsetzung der eingetragenen Partnerschaft oder das „Tierschutzpaket“, in dessen Mittelpunkt die artgerechte Tierhaltung stand.

Zu den Meilensteilen in der rot-grünen Legislaturperiode zählte die - von viel Oppositionskritik begleitete - Novellierung des Prostitutionsgesetzes. Damit wurde der Straßenstrich in Wohngebieten wie der Felberstraße verboten. Eines der Ziele dieser Maßnahme war, die Prostitution in den Indoor-Bereich zu verlagern. Nach der Wahl 2010 begleitete sie außerdem den Prozess um die Entstehung der „Wiener Charta“. In dieser wurden mittels Bürgerbeteiligung die Grundsätze für ein gutes Zusammenleben in der Stadt festgeschrieben. Die 49-jährige Rot-Grün-Anhängerin der ersten Stunde zählt auch zu jener Stadträte-Riege, die in der vergangenen Legislaturperiode mit keinem Misstrauensantrag konfrontiert wurde.

Die verheiratete Mutter zweier Söhne wurde am 22. September 1966 in eine Simmeringer Arbeiterfamilie geboren. Die Motivation für ihre Frauenarbeit beziehe sie noch heute aus ihrem Gerechtigkeitssinn und ihrer „Kämpferinnennatur“, so Frauenberger auf ihrer Homepage (http://www.sandra-frauenberger.at). Ein Anstoß sei dabei von der ehemaligen Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ) gekommen, die sie für die Kampagne „Töchter können mehr“ interessiert habe. Erstmals politisch aktiv wurde Frauenberger als 16-Jährige, bei einer Friedensdemo gegen den Kalten Krieg.

Entspannung findet Frauenberger eigenen Angaben zufolge beim Radiohören, bei der Lektüre von Simone de Beauvoir sowie beim Laufen im Prater oder im Belvederegarten. Außerdem genieße sie die wenigen freien Abende mit ihrem Mann, deren Gestaltung Frauenberger wie folgt umreißt: „Bei einem guten Essen einfach reden, reden, reden.“

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA470 2015-11-14/17:55