Paris-Terror - Bewohner: „Das Leben muss weitergehen“

Paris (APA) - Am Tag nach den Anschlägen mit fast 130 Toten ist die Stimmung in Paris gedrückt. Es ist weniger los in den Straßen, und doch ...

Paris (APA) - Am Tag nach den Anschlägen mit fast 130 Toten ist die Stimmung in Paris gedrückt. Es ist weniger los in den Straßen, und doch wirkt die französische Hauptstadt vielerorts normal. Die Bürger wurden weiterhin dazu angehalten, zu Hause zu blieben. Polizisten patrouillieren durch die Straßen, und doch ist ihre Präsenz nicht sehr ausgeprägt. „Das Leben muss weitergehen“, lautet das Credo der Bewohner.

Der folgenschwerste Angriff am Freitagabend in Paris wurde auf die Konzerthalle Bataclan in der Innenstadt verübt. Am Samstagnachmittag ist die Straße vor dem Club abgeriegelt, einzelne wenige Polizisten befinden sich hinter der Absperrung. Es sind hauptsächlich Journalisten an Ort und Stelle, unzählige Kamerateams und TV-Übertragungswagen dominieren die Szene. Immer wieder kommen aber auch Menschen vorbei und legen Blumen zur Absperrung, zünden Kerzen an. Nahe des Clubs Bataclan befindet sich die Metro-Station Oberkampf, die U-Bahnen fahren offensichtlich ganz normal.

Drei junge Frauen bringen weiße Rosen in den Boulevard Voltaire zu den Sperrgittern vor der Konzerthalle. Zwischen den Blumen liegt eine Zeichnung mit einem Eiffelturm. „Pray for Paris“, ist darauf zu lesen. „Wir waren gestern Abend ganz in der Nähe, als die Anschläge passierten. Direkt mitbekommen haben wir nichts, Freunde haben uns via SMS informiert“, sagt eine der Frauen. „Wir sind dann sofort nach Hause gegangen und haben den Fernseher aufgedreht“, ergänzt die zweite.

Die Stimmung unter den Einwohnern ist gedrückt, viele haben Tränen in den Augen. Immer wieder fallen sich Menschen in die Arme. „Es ist so erschreckend. Aber das Leben muss weitergehen“, sagt ein Mann am nahe gelegenen Platz der Republik. Auch beim Monument Marianne, einem französischen Freiheitssymbol im Zentrum des Platzes, legen zahlreiche Menschen Blumen und Briefe nieder. Kerzen werden entzündet, eine junge Frau bringt eine Packung Teelichter. Auch hier ist immer wieder der Eiffelturm zu sehen. „Je suis Paris“, steht auf vielen Briefen und Zeichnungen. Polizisten patrouillieren vereinzelt über den Platz. „Die Polizei kann nicht überall sein, das ist unmöglich“, sagt eine Frau. „Wir müssen uns weiter frei bewegen können“, meint sie. Immer wieder fordert die Polizei jedoch via Lautsprecher dazu auf, dass die Menschen nach Hause gehen sollen.

Eine ältere Dame bringt eine rosa Rose, legt sie zu den zahlreichen anderen Blumen. „Ich bin so wütend, ich musste heute einfach raus gehen“, sagt sie zur APA. „Ich habe von den Anschlägen erst heute Früh erfahren. Alleine in meiner Wohnung hab ich es jetzt nicht mehr ausgehalten. Natürlich fühlen wir uns jetzt alle unsicher, aber wir müssen damit klarkommen. Es muss weitergehen“, sagt die Frau. Zahlreiche Menschen bringen Blumen, verharren einige Momente vor den Kerzen, ehe sie möglichst schnell wieder ihre Wohnungen aufsuchen. „Ich fühle mich schon etwas unwohl hier draußen. Aber ich kann doch nicht den ganzen Tag nur daheim vor dem Fernseher sitzen“, sagt ein junger Mann.