Ulli Sima - Glücksspiel-Stadträtin als Gewinnerin im Ressort-Roulette

Wien (APA) - Ulli Sima (47) galt immer wieder mal als Ablösekandidatin nach einer Wahl - und steht nun als strahlende Siegerin da. Die frühe...

Wien (APA) - Ulli Sima (47) galt immer wieder mal als Ablösekandidatin nach einer Wahl - und steht nun als strahlende Siegerin da. Die frühere Global 2000-Aktivistin und engagierte Selbstvermarkterin wurde 2004 Wiener Umweltstadträtin. Künftig ist sie auch für die Stadtwerke zuständig und steuert damit die Geschicke kommunaler Dienstleister wie Wiener Linien, Wien Energie oder Bestattung.

Die Stadtwerke Holding erhält sie von Renate Brauner. Doch damit nicht genug: Auch das Marktamt nimmt sie unter ihre Fittiche. Dieses ressortierte bisher bei Sandra Frauenberger.

Setzte sie anfangs vor allem Duftmarken als Kämpferin gegen das allgegenwärtige Hundstrümmerl, legte sie sich in jüngerer Vergangenheit mit der Glücksspielbranche und dem Pächter der Copa Cagrana an. Schließlich fallen in Simas Ressort auch das Veranstaltungsgesetz und damit das Automatenspiel sowie die Gewässer. Gegen die Einarmigen Banditen musste die grundsätzlich in der Tierwelt beheimatete Stadträtin insofern ausrücken, als die rote Basis vor einigen Jahren sich mehrheitlich und gegen den Willen der Parteispitze für ein Verbot des kleinen Glücksspiels aussprach, das seit Beginn 2015 in Kraft ist.

Sima versuchte Härte zu signalisieren, kommunizierte fleißig Schwerpunktkontrollen und rückte zuletzt sogar in Begleitung von Beamten zur Zerstörung von Spielmaschinen mittels Vorschlaghammer aus. Schon eine gewisse Routine hat Sima indes im Streit um die Copa Cagrana. Dort will sie den langjährigen Generalpächter loswerden, da dieser das Freizeitareal an der Neuen Donau verkommen lasse, so das Argument. Der Rechtsstreit dauert inzwischen schon Jahre, nach und nach wurden Lokale geräumt. Einen Teil des Areals hat Sima jedenfalls schon unter ihre Fittiche gebracht und dort zwei neue Lokale - einen Mexikaner und einen Griechen - errichten lassen.

Die Politik ist der gebürtigen Kärntnerin, die am 3. August 1968 zur Welt kam, gewissermaßen in die Wiege gelegt. Ihr Großvater Hans Sima war immerhin neun Jahre auf dem Ticket der SPÖ Landeshauptmann in Kärnten. Trotzdem suchte die Enkelin vorerst andernorts ihre politische Heimat. Ausgehend von ihrem Engagement bei Global 2000, wo sie Regenwaldreferentin war, wurde sie von den Grünen auf die Kandidatenliste für den Nationalrat gehievt - allerdings an aussichtsloser Stelle.

Die SPÖ bzw. deren damaliger Parteichef und Bundeskanzler Viktor Klima verpasste dem jungen Talent, das zuvor schon als Proponentin des Gentechnik-Volksbegehrens einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden war, 1999 einen fixen Listen- und damit Arbeitsplatz. Nach einigen Jahren im Nationalrat als rote Umweltsprecherin holte Bürgermeister Michael Häupl Sima schließlich 2004 als Umweltstadträtin ins Rathaus.

Das genuine Steckenpferd der nicht zuletzt wegen ihrer modischen Akzente bekannten Ressortchefin war bald das Wohl von Hund, Katz und Co. Bald nach ihrem Wechsel in die Kommunalpolitik rückte sie gegen die Epidemie des auf der Straße hinterlassenen Hundekots mit dem - inzwischen geflügelten - Schlachtruf „Nimm ein Sackerl für dein Gackerl“ aus und installierte gleichzeitig die Anti-Müllsünder-Truppe „Waste Watcher“. Zusätzlich führte sie im Sommer 2010 den verpflichtenden Hundeführschein für Kampfhundbesitzer ein, nachdem sie von den Wienern im Zuge einer Volksbefragung dafür mit einer Mehrheit ausgestattet worden war.

Außerdem krempelte die studierte Molekularbiologin die Tierversorgung in Wien um. Zusätzlich zum Tierschutzhaus in Vösendorf (NÖ), mit dem die Stadt wegen Renovierungs- und Geldfragen immer wieder in Konflikt stand, ließ Sima eine zweite Einrichtung namens „TierQuarTier“ in der Donaustadt bauen, das im Frühjahr dieses Jahres eröffnete. Kritisch beäugt wurde allerdings die Partnerschaft mit einer Stiftung, deren Vorstand Günther Havranek ist, der wiederum Miteigentümer der Gratiszeitung „Heute“ ist.

Berührungsangst mit dem Boulevard kann Sima jedenfalls kaum nachgesagt werden. Die Stadträtin posiert gern vor Fotografen, was nicht zuletzt durch den Tumblr-Blog „Ulli Sima holding things“ protokolliert wird. Auf Schlagzeilen spitzt Sima auch durch mal mehr, mal weniger originelle Ideen: Vor dem Song Contest stattete sie etwa einige Fußgängerzonen mit singenden Kanaldeckeln aus.

Privat hat Sima eine Verbindung zur SPÖ allerdings gelöst. Vom scheidenden Bildungsstadtrat und künftigen SPÖ-Rathaus-Klubobmann Christian Oxonitsch (SPÖ), mit dem sie verheiratet war und eine gemeinsame Tochter hat, ist die zweifache Mutter mittlerweile geschieden.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA472 2015-11-14/18:02