Mindestens zehn Tote bei TGV-Zugunglück nahe Straßburg

Straßburg (APA/AFP) - Ein französischer TGV-Schnellzug ist bei einer Testfahrt in Ostfrankreich entgleist. Mindestens zehn Menschen wurden i...

Straßburg (APA/AFP) - Ein französischer TGV-Schnellzug ist bei einer Testfahrt in Ostfrankreich entgleist. Mindestens zehn Menschen wurden in den Tod gerissen.

Beim schwersten Unfall in der Geschichte des TGV verunglückte der Zug am Samstag auf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke nördlich von Straßburg und stürzte teilweise in einen Kanal. An Bord waren keine Passagiere, aber 49 Techniker und Bahnmitarbeiter, von denen einige schwer verletzt wurden.

Das Unglück ereignete sich gegen 15.00 Uhr nahe der Gemeinde Eckwersheim unweit der deutschen Grenze. Ermittlern zufolge war der silberfarbene Schnellzug bei der Testfahrt mit einer Geschwindigkeit von 350 Kilometern unterwegs, als er entgleiste. Der hintere Teil des Zugs stürzte in den Kanal Marne au Rhin, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP an Ort und Stelle berichteten. Nach Angaben der Behörden wurden 37 Menschen verletzt, bei zwölf von ihnen handelte es sich um „absolute Notfälle“. Mehrere Menschen wurden noch gesucht.

Die Rettungskräfte eilten mit einem Großaufgebot, dutzenden Rettungswagen und mehreren Hubschraubern zum Unfallort. Taucher der Gendarmerie suchten die im Wasser liegenden Zugteile ab. Nach dem Unglück war kilometerweit entfernt Rauch zu sehen.

Der Testzug sei „vermutlich wegen erhöhter Geschwindigkeit entgleist“, sagte der Kabinettschef der zuständigen Präfektur. Die Gendarmerie erklärte dagegen, die Unglücksursache stehe noch nicht fest. Die Staatsbahn SNCF betonte, es gebe keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris vom Freitagabend.

Die zur Unglücksstelle geeilte Umweltministerin Segolene Royal, die auch für Verkehr zuständig ist, sprach von einem „apokalyptischen Drama“. Auch sie sagte, es handle sich vermutlich um einen Unfall. Frankreichs Staatschef Francois Hollande sprach den Angehörigen seinen Beistand aus. Es ist der schwerste Unfall eines TGV, seit der Schnellzug - ein Prestigeprojekt der französischen Industrie - 1981 in Dienst genommen wurde.

Der Unfall ereignete sich auf dem letzten Abschnitt einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Paris mit Straßburg verbindet und auf der derzeit Testfahren abgehalten werden. Ein großer Teil der Strecke wird schon von Passagierzügen befahren, in Teilen Lothringens und im Elsass müssen die TGVs aber noch auf älteren Gleisen fahren und das Tempo drosseln. Das betrifft auch die TGV-Schnellzüge, die von Paris über Straßburg im internationalen Zugverkehr nach Deutschland fahren.

Das letzte, rund 100 Kilometer lange Teilstück soll im April 2016 für den Personenverkehr freigegeben werden. Die Fahrzeit zwischen Paris und Straßburg verringert sich dann um eine halbe Stunde auf rund eine Stunde und 50 Minuten.