Salzburger Wagner-Sänger Franz Mazura erhielt „Faust“-Preis

Saarbrücken/Wien (APA/dpa) - Theaterschaffende im Rampenlicht: Die deutsche Schauspielerin Bibiana Beglau ist am Samstagabend in Saarbrücken...

Saarbrücken/Wien (APA/dpa) - Theaterschaffende im Rampenlicht: Die deutsche Schauspielerin Bibiana Beglau ist am Samstagabend in Saarbrücken mit dem Preis „Der Faust 2015“, deutsches Pendant zum österreichischen „Nestroy“, ausgezeichnet worden. Den Faust für sein Lebenswerk bekam der österreichische Opern- und Konzertsänger Franz Mazura (91).

Der Lebenswerk-Preis wurde Mazura, gebürtiger Salzburger, „als einer der profiliertesten Bassbaritone im deutschsprachigen Raum“ verliehen, hieß es zur Begründung im Vorfeld. Der Kammersänger habe sich einen Namen als Wagner-Sänger und als Interpret in Werken des neuen Musiktheaters gemacht. Sein Debüt feierte er 1955 am Staatstheater Kassel. In den folgenden Jahren sang er u.a. in Mainz, Braunschweig, an der Deutschen Oper Berlin, am Nationaltheater Mannheim, bei den Salzburger Festspielen und an der Staatsoper Hamburg. Der Alberich im „Ring des Nibelungen“ galt als seine Glanzrolle, bei den Bayreuther Festspielen sang er aber u.a. auch den Klingsor im „Parsifal“, aber auch den Marke in „Tristan und Isolde“ oder den Gunther im „Ring“-Zyklus.

1979 gab er bei der Pariser Uraufführung von Friedrich Cerhas neu bearbeiteter dreiaktiger Fassung der Oper „Lulu“ von Alban Berg den Dr. Schön. In den vergangenen Jahren war er in dieser Oper als Schigolch u.a. an der Metropolitan Opera New York, der Bayerischen Staatsoper München und der Pariser Oper zu hören. Ein Ende seiner Karriere könne er sich nicht vorstellen, erzählte der seit 1964 in Edingen-Neckarhausen lebende Sänger kürzlich der „B.Z.“: „Von diesem Beruf muss man besessen sein, und dann kann man nicht aufhören.“

Mit 91 Jahren gilt er als „vermutlich Deutschlands dienstältester aktiver Wagner-Sänger“: Bassbariton Mazura hatte erst im Oktober als Hans Schwarz in Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ an der Staatsoper Berlin Premiere.

Die 44-Jährige Beglau erhielt die undotierte Ehrung für Kulturschaffende von Kulturschaffenden bei einer Gala im Saarländischen Staatstheater (SST) für ihre Rolle des Mephisto in einer Faust-Inszenierung des Bayerischen Staatsschauspiels München. Als beste Regisseurin Schauspiel wurde Jette Steckel für die Inszenierung des Stücks „Die Tragödie von Romeo und Julia“ (Thalia Theater Hamburg) geehrt. Über den Faust für den besten Tänzer konnte sich Alicia Amatrain freuen, die den Teufel in „Die Geschichte vom Soldaten“ am Stuttgarter Ballett tanzte. Weitere Preise gab es in den Kategorien, Regie Musiktheater, Choreographie, bester Sängerdarsteller, Regie Kinder- und Jugendtheater sowie Bühne/Kostüm.

Die Gala begann mit einer Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge von Paris. Man habe sich dafür entschieden, trotz der Trauer um die Getöteten und Verletzten die Veranstaltung nicht abzusagen, sagte SST-Intendantin Dagmar Schlingmann. Die Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins, die Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos), bekräftigte, dies wäre ein „absolut falsches Signal“ gewesen.

Der „Faust 2015“ wurde in insgesamt neun Kategorien vergeben. Er feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Die undotierte Auszeichnung geht an Kulturschaffende, deren Arbeit wegweisend für das deutsche Theater ist. Sie wird von der Kulturstiftung der Länder, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, dem Deutschen Bühnenverein und einem jährlich wechselnden Bundesland vergeben.