BP-Wahl: Nur 1951 und 1992 stellten alle NR-Parteien Kandidaten

Wien (APA) - Nationalratsparteien schicken nicht immer Kandidaten in die Bundespräsidentenwahl. SPÖ und ÖVP haben in den bisher zwölf Wahlen...

Wien (APA) - Nationalratsparteien schicken nicht immer Kandidaten in die Bundespräsidentenwahl. SPÖ und ÖVP haben in den bisher zwölf Wahlen nur je einmal ganz auf einen Kandidaten verzichtet, bei FPÖ und Grünen war hingegen die Nominierung die Ausnahme. Nur zweimal, 1951 und 1992, traten Bewerber aller im Nationalrat vertretenen Parteien gegeneinander an. Heuer wird dies nicht der Fall sein.

Denn NEOS und Team Stronach werden niemanden nominieren, bei FPÖ und Grünen ist die Entscheidung noch nicht gefallen. Zum Duell Rot gegen Schwarz wird es aber voraussichtlich nicht kommen. Ein solches gab es bisher fünfmal, zuletzt beim ersten Antreten Heinz Fischers 2004.

Bei seiner Wiederwahl 2010 verzichtete die ÖVP dann auf eine Kandidatur. Dass es sein Gegenkandidat auch recht schwer gehabt hätte, zeigt sein Wahlergebnis: Mit 79,33 Prozent blieb er nur ganz knapp unter dem Rekord, den seit 1980 Rudolf Kirchschläger mit 79,87 Prozent hält.

Wobei es Kirchschläger leichter hatte: Bei seiner Wiederwahl unterstützte den 1974 von der SPÖ nominierten Parteifreien auch die ÖVP, er war also der bisher einzige gemeinsame Kandidat der beiden Traditionsparteien. Dafür war die ÖVP bei Fischer nicht zu haben, hatte er doch als SPÖ-Politiker Karriere gemacht und seine Parteimitgliedschaft erst mit der Angelobung als Bundespräsident ruhend gestellt. Einige ÖVP-Spitzenpolitiker empfahlen 2010 sogar weiß zu wählen - und fast die Hälfte der Österreicher verzichtete auf ihr Stimmrecht.

Dabei war Fischer nicht als SPÖ-Kandidat in die Wiederwahl gegangen, sondern mit einem unabhängigen Personenkomitee. Dies hatte vor ihm schon Thomas Klestil so gehalten: 1992 von der ÖVP nominiert, trat er 1998 als „unabhängiger“ Kandidat mit einem vom Wiener Alt-Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) angeführten Personenkomitee an. Eine Wahlempfehlung der SPÖ für Klestil gab es nicht, aber sie verzichtete zum bisher einzigen Mal auf einen eigenen Kandidaten.

Keinen Bewerber ins Rennen geschickt haben SPÖ und ÖVP also nur bei Wiederwahlen - aber erst ab den 80er-Jahren, also der zweiten Kür Kirchschlägers. Während der von schwarzen Kanzlern geführten Großen Koalitionen nach dem Zweiten Weltkrieg und auch während der SPÖ-Absoluten nominierten immer beide Traditionsparteien Kandidaten, egal ob Erst- oder Wiederwahl. Gewonnen haben die Wahl zunächst immer die SPÖ-Kandidaten bzw. 1974 der gemeinsame Kandidat Kirchschläger. Erst 1986 zog der erste ÖVP-Präsident - Kurt Waldheim - in die Hofburg ein. Der umstrittene Präsident verzichtete als Erster auf einen zweiten Antritt. Auch sein Nachfolger Klestil kam noch aus der ÖVP, er blieb zwei Perioden im Amt. 2004 - unter der schwarz-blauen Bundesregierung - setzte sich allerdings wieder der SPÖ-Kandidat Fischer durch.

Die Oppositionsparteien haben bisher meistens auf eigene Kandidaten verzichtet - auch die Wahlkämpfe viel Geld kosten, es aber keine Rückerstattung gibt. Nur viermal hatten blaue Wähler ein Parteiangebot - zweimal davon bei den Wiederwahlen Kirchschlägers und Fischers, wo sich die FPÖ wohl bessere Chancen ausrechnet, weil es jeweils nur diesen einen Kandidaten der Großparteien gab. Die FPÖ-Kandidaten waren 1980 Willfried Gredler, 2010 Barbara Rosenkranz, 1951 Burghard Breitner und 1992 Heide Schmidt.

Heide Schmidt war die einzige Kandidaten, die für zwei unterschiedliche Parteien antrat: Sechs Jahre stand sie für das von ihr gegründete LIF am Stimmzettel.

Auch die Grünen versuchten in ihren Anfangsjahren - 1986 - mit der Präsidentschaftskandidatur ihrer Frontfrau Freda Meissner-Blau Bekanntheit und Popularität zu steigern. 1992 schickten sie den Zukunftsforscher Robert Jungk in die Wahl - der bisher letzte Präsident. Mit Alexander Van der Bellen könnte es heuer ein Alt-Parteichef versuchen.