Paris-Terror - Schuldirektor: Zuversicht und Zusammenhalt stärken

Wien/Paris (APA) - Nach den Terroranschlägen in Paris kommt auf die Schulen des Landes nun die Aufgabe zu, Zuversicht und Zusammenhalt unter...

Wien/Paris (APA) - Nach den Terroranschlägen in Paris kommt auf die Schulen des Landes nun die Aufgabe zu, Zuversicht und Zusammenhalt unter den Schülern zu stärken und ihnen Ängste und Sorgen zu nehmen, sagt Jean Bastianelli, Direktor der renommierten Eliteschule Louis le Grand im Pariser Quartier Latin.

Unter den Jugendlichen sei „eine tiefe Infragestellung von unserem Land und seinem Funktionieren“ zu spüren, aber zugleich „Zuversicht und der Wille, vor dem Terror nicht aufzugeben“, wie es die Schüler selbst formuliert hätten. Bastianelli, der auch einige Jahre die französische Schule in Wien geleitet hat, steht nun einem Haus mit 1.800 Schülern im Gymnasium bzw. in der Vorbereitung auf die Universität vor, davon 350 im Internat. Die Internatsschüler mussten am Samstag im Haus bleiben. Das gab Gelegenheit für eine Gedenkzeit und Gespräche, „wie wir uns organisieren und wie wir in den kommenden Wochen und Monaten mit Sicherheitsfragen umgehen werden“. Bei aller Vorsicht müsse man aber auch sicherstellen, „dass wir ohne Angst leben können“, betont Bastianelli.

Konflikte unter seinen Schülern befürchtet er nicht. Er habe Schüler aus vielen Ländern und verschiedenen Konfessionen, „das Zusammenleben ist sehr friedlich und offen, ich glaube nicht, dass diese Stimmung kaputt gemacht wird“. Im Gegenteil, er spüre viel Solidarität, in der Schule wie auch im ganzen Land.

Die Schule Louis le Grand im Quartier Latin, gegenüber der Universität Sorbonne, besteht seit 1563 und bildet seit Jahrhunderten die Elite des Landes aus. Unter den Absolventen sind Literaten von Moliere bis Voltaire und Präsidenten von Pompidou bis Jacques Chirac. Ein besonderes Ziel für Anschläge sei man nun aber trotzdem nicht, denn „dieser ‚Kriegsakt‘, wie es unser Präsident (Francois Hollande) ausdrückt, richtet sich nicht unbedingt gegen die Prominenten, sondern injiziert die Angst, dass jeder auf der Terrasse eines Kaffeehauses gefährdet ist“, so der Direktor.

Auch wenn Frankreich im Moment im Fokus stehe, könnten solche Anschläge natürlich überall vorkommen, sagt er im Gespräch mit der APA, daher wohl auch in Österreich. Wo aber wirklich das Risiko liege, das könnten allenfalls die Experten einschätzen.

Aus Bastianellis Sicht könnte seine Schule am Montag wieder aufsperren. Zur Zeit des Interviews (Samstagabend) war aber noch nicht klar, was die Behörden für den Montag vorsehen. Aber schon nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo habe es mehr Sicherheitsvorkehrungen gegeben, und nun sei wohl mit einer Reflexion darüber zu rechnen, wie man die Sicherheit noch verbessern könne.