Brahms-Rückblick, Tanzeinladungen und neue Parallelen - Klassiknews

Wien (APA) - *...

Wien (APA) - *

Welser-Möst und Cleveland blicken auf Brahms zurück (Clasart Classic): Franz Welser-Möst hat zusammen mit dem Cleveland Orchestra und den Solisten Julia Fischer und Yefim Bronfman eine umfassende Brahms-Werkschau unter dem Titel „Cycle“ auf DVD und Blu-Ray vorgelegt. Die Edition demonstriert nicht nur musikalische Spitzenqualität, sondern bietet durch die Aufnahme in drei unterschiedlichen Konzertsälen auch für das Auge Einiges. Das Orchester spielt unter seinem Chefdirigenten die vier Symphonien von Johannes Brahms in der Severance Hall in Cleveland, dem Wiener Musikverein und der Royal Albert Hall in London technisch brillant und mit immer wieder hörbaren sehnsuchtsvoll-schmerzlichem Unterton ein. Fischer zeigt ihre Virtuosität beim Violinkonzert, und Bronfman ist hervorragender Interpret beider Klavierkonzerte. Zusätzlich gibt es noch die Tragische sowie die Akademische Festouvertüre und Variationen über ein Thema von Haydn. Die spannenden Live-Aufnahmen „fangen den Moment ein, nicht mehr und nicht weniger“, erklärt Welser-Möst in einem der Interviews im ausführlichen Bonus-Teil.

***

Chopin-Gewinner Seong-Jin Cho mit Chopin-Platte (Deutsche Grammophon): Erst 21 Jahre alt ist der südkoreanische Pianist Seong-Jin Cho - und doch ist es mittlerweile schon sieben Jahre her, dass er den renommierten Chopin-Wettbewerb für junge Pianisten in Warschau gewann. Heuer legte er mit dem Sieg in der Erwachsenenkategorie nach. Sein Auftritt mit Chopins Preludes op. 28, seinem Nocturne op. 48, der Piano Sonata No. 2 und der Polonaise op. 53 wurde dabei wie jene der übrigen Kandidaten erstmals von der Deutschen Grammophon aufgezeichnet. Und da Seong-Jin als Gewinner des Reigens hervorging, hat er nun das Glück, seine erste Chopin-Platte veröffentlichen zu können.

***

Thomas Auner lädt zum Tanz (Gramola): Nicht immer braucht es für Tanz eine große Kapelle. Manchmal genügt auch ein Cello samt Klavierbegleitung. Dies stellt der junge Wiener Cellist Thomas Auner unter Beweis, der für seine neue CD zu einem Parforceritt durch die Jahrhunderte ansetzt. Die Vielgestaltigkeit des Tanzes, der von den barocken Gesellschaftstänzen Johann Sebastian Bachs über Brahms Ungarischen Tanz bis zu Astor Piazzolla reicht, stellt der Künstler dabei eindrücklich unter Beweis. Und als zentrales und namensgebende Stück findet sich Carl Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“ auf der CD, dessen Arrangement für Cello und Klavier Auner selbst erstellt hat.

***

Yueming Xu und Michael Krenn im Saxo-Akkordeon-Duett (Gramola): Die wenigsten Musikstücke der Welt sind für ein Duett aus Sopransaxofon und Akkordeon geschrieben. Dieser Umstand hat den Wiener Saxofonisten Michael Krenn und seine chinesische Kollegin Yueming Xu nicht abgehalten, unter dem Titel „Distance“ ein Reise durch die Musikgeschichte zu unternehmen. So haben sie Johann Sebastian Bachs Sonate für Flöte und Cembalo oder Alessandro Marcellos Oboenkonzert für ihre Zwecke adaptiert. Und mit Theodor Burkalis „SaxAccordia“ und anderen finden sich auch originäre Werke für diese ungewohnt-flotte Kombination auf der CD.

***

Yuja Wang und die Zürcher machen‘s französisch (Deutsche Grammophon): Für die junge chinesische Pianistin ist das französische Repertoire Neuland, nicht so für das Tonhalle-Orchester Zürich. Unter Lionel Bringuier hat man nun gemeinsam die beiden späten Klavierkonzerte von Maurice Ravel eingespielt, die Ballade des Ravel-Lehrers Gabriel Faure für Solopiano eingeschlossen. Da treffen sich die Virtuosität der Pianistin mit dem Verve des jungen Musikdirektors.

***

Bach Consort Wien auf lateinamerikanischen Spuren (Gramola): Der Laie vermutet auf den ersten Blick wenige Similaritäten zwischen dem europäischen Barock und der traditionellen Musik Lateinamerikas. Ein Irrtum, wie die neue CD „Vidala“ des Bach Consort Wien unter Beweis stellt. Hier finden sich nahtlos nebeneinander Werke wie Vivaldis „La Folia“ und traditionelle Tänze wie „La Bolivianita“. Ein spannendes, Kontinente und Jahrhunderte übergreifendes Projekt, das zeigt, wie sich Kulturen gegenseitig beeinflussen. Und wer anders als Ruben Dubrovsky könnte solch ein Konzept umsetzen, entstammt der Wahlwiener als Arrangeur und Dirigent doch einer polnisch-italienischen Künstlerfamilie aus Buenos Aires.