Terror in Paris

„Dass etwas passiert, war nicht unerwartet“

Letzte Blumengrüße vor der Konzerthalle, einem der Schauplätze des Terrors.
© AFP/Miguel Medina

Der Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Peter Gridling sieht für Österreich keine gefährdenden Auswirkungen.

Wien – Peter Gridling, Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, ist vom Ausmaß der Attentate von Paris überrascht. „Dass etwas passiert, war nicht unerwartet“, sagt er im Interview mit der Tiroler Tageszeitung, „aber dieses Ausmaß ist unglaublich.“ Auf die Frage, ob es denn Anzeichen für Anschläge in dieser Größenordnung gegeben habe, antwortet Österreichs oberster Terrorismusbekämpfe­r mit einem klaren Nein, aber seit dem Blutbad in der Redaktion der Pariser Satirezeitung Charlie Hebdo würden sich die Behörden europaweit in Alarmbereitschaft befinden. „Es hat auch immer wieder kleinere Sachen gegeben, in Belgien zum Beispiel oder in Kopenhagen, aber nicht in dieser Größenordnung.“

Meldungen, dass erst vor wenigen Tagen ein Komplize der Pariser Attentäter in Bayern festgenommen worden sei, verweist Gridling ins Reich der Gerüchte: „Nicht einmal die Bayern gehen von einem Bezug zu Paris aus.“ Der Festgenommene würde vielmehr der organisierten Kriminalität zugeordnet.

Zwar sei trotz aller Bemühungen ein Restrisiko für Terroranschläge in Österreich nicht auszuschließen. Vorerst hätten die Attentate von Paris aber „keine gefährdungserhöhenden Auswirkun­gen“. Was nicht bedeute, dass keine Maßnahmen getroffen würden. Im Gegenteil. „Natürlich haben wir rund um die Syrien-Konferenz in Wien die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und darüber hinaus die Behörden sensibilisiert, das bei allen anstehenden Großveranstaltungen auch zu tun. Aber das ist nach jedem Großereignis dieser Art so.“ Im Übrigen habe Österreich bereits nach Charlie Hebdo die Schlagzahl ordentlich erhöht. Mit gutem Grund, wie Gridling erwähnt, weil die IS-Strategen auch zu Anschlägen in Deutschland und Österreich aufgerufen hätten und weil ja mindestens 250 Personen von Österreich aus am gewaltsamen Jihad teilnahmen. Die Folge dieser verschärften Gangart seien mehr als 200 Strafverfahren, davon etliche bereits abgeschlossen.

Für Frankreich seien die Anschläge natürlich ein schwerer Schock, räumt Peter Gridling ein. Und was bedeutet das für künftige Großveranstaltungen? Ende November soll in Paris bekanntlich der Weltklimagipfel stattfinden, 2016 die Fußball-Europameisterschaft. „Jetzt muss man zuerst einmal die Ermittlungsergebnisse abwarten.“ Erst dann könne man sich Gedanken über die Hintergründe machen und darüber, „warum die Täter nicht am Radar der Behörden waren. Das muss man dann analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.“ (mz)

Peter Gridling, Direktor des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung.
© APA/Hans Klaus Techt

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