Paris-Terror - Internationale Pressestimmen zur Anschlagsserie

Paris (APA/dpa/AFP) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Sonntag mit der Anschlagsserie in Paris, bei der am späten Freitagabe...

Paris (APA/dpa/AFP) - Internationale Pressekommentare befassen sich am Sonntag mit der Anschlagsserie in Paris, bei der am späten Freitagabend 129 Menschen getötet wurden. Die französische Tageszeitung „Le Monde“ schreibt:

„Frankreich ist im Krieg. Ein Krieg gegen einen totalitären, blinden, schrecklich mörderischen Terrorismus. (...) Diese Tragödie zeigt, dass die Terroristen, die Frankreich zu ihrem Ziel gemacht haben, ihrem mörderischen Werk keine Grenze setzen.“

„Le Figaro“ (Paris):

„Dies ist ein Krieg, ein wahrer Krieg, der uns erklärt wurde: der Krieg des islamistischen Fanatismus gegen Frankreich, Europa, den Westen und gegen all die Werte einer Zivilisation, die die Demokratie erfunden hat. Dieser Krieg, so haben nun alle verstanden, beginnt gerade erst. (...) Francois Hollande hat sich bei seiner Ansprache am Samstag entschieden, das Übel zu benennen. (...) Aber auch Manuel Valls hatte nach (den Anschlägen im Jänner auf die Satirezeitung) Charlie Worte zu finden gewusst. Doch was folgte hat gezeigt, dass Worte nicht reichen gegen Barbaren. (...) Gegen Brutalität gibt es nur ein Prinzip: Stärke. Gegen Rohheit nur ein Gesetz: Effizienz. Um den Krieg zu gewinnen, muss man ihn führen.“

„Liberation“ (Paris:)

„Im Visier der Mörder waren keine Christen oder Konfessionslose, Araber oder Gallier, Gläubige oder Ungläubige. Es waren nichts anderes als Bürger. Menschen jeder Herkunft. (...) Nur die Achtung der Freiheit erlaubt es, frei zu bleiben. Diese Überzeugung sollte die Reaktion bestimmen. Freiheiten wegzunehmen, Notstandsgesetze vorzuschlagen, heißt bereits einzulenken. (...) Die Schlussfolgerung zwingt sich mit ihrer schrecklichen Realität auf: Die Franzosen müssen künftig mit dem Terrorismus leben.“

„La Croix“ (Paris):

„Wir werden den Terrorismus nicht dauerhaft besiegen können, wenn wir eine Abgrenzung Andersdenkender zulassen. Von den Muslimen Frankreichs erwarten wir, dass sie sich noch deutlicher von allen Gruppierungen distanzieren, die Mordtaten mit ihrer Religion begründen. Doch wir sollten ihnen auch mit Vertrauen entgegenkommen. Unsere Herausforderung besteht darin, die Einheit zu wahren.“

„Dernieres Nouvelles d‘Alsace“ (Straßburg):

„Frankreich trauert, aber es muss standhaft bleiben. Am wichtigsten ist es in diesem Augenblick, die republikanischen Wertvorstellungen zu bekräftigen. Wir verdanken es diesen Werten, dass wir uns frei bewegen können, dass Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander umgehen, und dass wir ohne die manische Überwachung einer Sittenpolizei Musik hören dürfen. Deshalb würdigen wir die Opfer am besten durch unseren Widerstand gegen diese mörderische Offensive von Fanatikern, die als militärische Vorhut eines faschistischen Islams auftreten.“

„Berliner Morgenpost“:

„Die Schüsse von Paris hätten jeden von uns treffen können. Blindwütig wurde auf Menschen gefeuert. Terrorismus erscheint als wirre Brutalität. Doch das ist falsch. Mögen Menschen mit MG und Bombengürtel verblendet sein, die Drahtzieher dahinter haben einen kalten Plan: Das Attentat ist nicht dessen Ende, sondern Anfang. Die Gegner, also wir, sollen immer weiter verängstigt und zu Kurzschlussreaktionen getrieben werden.

Vor 14 Tagen erst rühmte sich der IS, eine russische Passagiermaschine mit 224 Passagieren abgeschossen zu haben. Aus lauter Angst vor der Freiheit, so das tückische Kalkül, ballern wir schließlich auch blindwütig um uns. Und schaffen unsere Freiheit schließlich selbst ab. So schmutzig die Mörder von Paris auch wüteten: Unser größter Feind ist und bleibt unsere eigene Angst. Der größte Feind des Terrorismus dagegen ist kluges, besonnenes Handeln. Dazu gehören aufmerksame Geheimdienste. Aber keine Paranoia. Und die Kraft, den erstbesten Reflexen und Rhetoriken zu widerstehen.“

„De Telegraaf“ (Amsterdam):

„Dieser blindwütige Terror mit so vielen unschuldigen Opfern zeigt erneut, dass der IS Krieg führt gegen den Westen und alle Werte, für die der Westen einsteht. Der Albtraum von Paris geht daher weit über Frankreich hinaus. Dies ist ein Angriff auf Menschen und Länder, die Werte wie Toleranz, Freiheit und Respekt repräsentieren. (...)

Das Ziel der Terroristen besteht darin, Angst zu verbreiten. Dieser Angst nachzugeben (so verständlich das auch ist) bedeutet, sich dem Terrorismus zu beugen. Das würde die Normen und Werte unserer Gesellschaft unter Druck setzen. Darum muss der Kampf gegen den muslimischen Terrorismus weitergehen - im Inland ebenso wie im Ausland. Und natürlich muss jeder wachsam bleiben für Hinweise auf Terroranschläge. Vor dem Terror nicht zurückzuweichen, ist die einzige richtige Antwort an die IS-Terroristen.“

„Corriere della Sera“ (Mailand):

„Der erste Ruck muss vom politischen Europa und den westlichen Gesellschaften ausgehen. Niemand kann den Krieg gegen den IS alleine angehen, es braucht eine kollektive Verantwortung, um eine internationale Koalition zu bilden, die über die Instrumente verfügt, um die Terrormiliz, die zum zentralen Punkt des islamischen Terrorismus geworden ist, zu zerstören. Die Strategie der Luftangriffe und der Unterstützung für die Anti-IS-Kämpfer war nicht ausreichend. Jetzt ist eine Wende nötig, die die Staaten der Region im Kampf gegen den IS stärker miteinbezieht. Denn wer isoliert wird, ist leichter zu treffen.“

„Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“:

„Die Schwierigkeit bei der Bekämpfung des Terrorismus ist, dass dabei Panzer und Flugzeuge nutzlos sind. Sein Schreckenspotenzial bezieht er daraus, dass er von einer Sekunde auf die nächste mitten in einem Konzert oder einem Tempelbesuch losbrechen und vom Baby bis zum Greis jedermann treffen kann. Das ist die neue Form von Krieg. Ohne ein Mehr der Methoden, die in den USA nach 9/11 entwickelt und umgesetzt worden sind, lässt sich deshalb die Sicherheit in Europa nicht verbessern. Es wird mehr Überwachung geben müssen, mehr polizeiliche Kontrollen. Das erfordert Augenmaß und Intelligenz der Verantwortlichen. Aber die Alternative wäre, dass man die Schreckensbilder aus Paris in regelmäßigen Abständen zu sehen bekommt. Das wäre nicht zu ertragen.“