Arbeitslosigkeit - 40.000 junge Bulgaren verlassen jährlich ihr Land

Sofia (APA) - Knapp 40 Prozent der Bulgaren im arbeitsfähigen Alter, das sind rund 870.000 Menschen, gehen weder einer Erwerbstätigkeit nach...

Sofia (APA) - Knapp 40 Prozent der Bulgaren im arbeitsfähigen Alter, das sind rund 870.000 Menschen, gehen weder einer Erwerbstätigkeit nach noch machen sie eine Ausbildung. Darunter sind auch 300.000 Jugendliche, wie aus einer Studie hervorgeht, die die bulgarische Wirtschaftskammer gemeinsam mit der Weltbank und den Open Society Foundations (OSF) des Investors George Soros durchgeführt hat.

Die Studie zeige, dass Arbeitslosigkeit vererbt wird, schreibt die bulgarische Tageszeitung „Sega“. 40 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen hätten auch arbeitslose Eltern. Zudem würden jedes Jahr rund 30.000 bis 40.000 Arbeitnehmer ganz aus dem Arbeitsmarkt herausfallen. Das und die zunehmende Alterung der bulgarischen Bevölkerung seien große Herausforderungen für das Land, sagt die Wirtschaftskammer und erwartet, dass im Jahr 2050 das Verhältnis der Pensionisten zu den Erwerbstätigen 3:2 betragen wird.

Obwohl die Arbeitslosenrate in Bulgarien fast 10 Prozent beträgt, beklagen die Unternehmen, dass es immer schwerer werde, offene Stellen mit geeigneten Arbeitskräften zu besetzen. Es gebe inzwischen 190 Berufe mit Fachkräftemangel, darunter Mechaniker, Schlosser, Kraftfahrer, Köche oder Kranfahrer. Auch Ingenieure, Programmierer oder Internet-Spezialisten gibt es laut Wirtschaftskammer zu wenige. Andererseits würden 55 Prozent der Universitätsabsolventen Berufe ausüben, die keine Hochschulausbildung erfordern.

41 Prozent der Jugendlichen über 15 Jahre haben laut Studie keine ausreichenden Mathematik-Kenntnisse. 770.000 Bulgaren - etwa ein Zehntel der Bevölkerung - haben nicht einmal eine mittlere Schulausbildung, ein Drittel dieser Menschen ist jünger als 25 Jahre.

Die bulgarische Wirtschaftskammer stellt auch einen Strukturwandel in der Unternehmenslandschaft fest: Während es immer mehr Mikrounternehmen gebe, sei der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. „Beunruhigend“ ist für die Wirtschaftskammer auch die Tatsache, dass jedes Jahr fast 40.000 junge Bulgaren das Land verlassen. Jeder fünfte von ihnen verfüge zumindest über eine Matura.