Paris-Terror - Weltweite Nervosität auf Flughäfen

Istanbul/Paris (APA) - Nach der blutigen Terrorwelle in Paris am Freitagabend und dem Doppelanschlag in Beirut von letzter Woche herrscht de...

Istanbul/Paris (APA) - Nach der blutigen Terrorwelle in Paris am Freitagabend und dem Doppelanschlag in Beirut von letzter Woche herrscht derzeit auf den Flughäfen weltweit eine sehr angespannte Stimmung. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden rigoros verschärft, auf vielen Flughäfen sind Spezialeinheiten der Polizei und Spürhunde unterwegs.

Die Menschen werden unruhig, wenn ein Gepäckstück länger unbeaufsichtigt irgendwo herumliegt. Gesprochen wird sehr viel über die Terror-Akte, über den „Islamischen Staat“ (IS) und über nicht nachvollziehbare Gründe für solche Gräueltaten. Besonders angespannt ist die Lage auf jenen Flughäfen, die die europäische mit der arabischen Welt verbinden. Dazu gehört neben Doha, Dubai und Muskat vor allem der Istanbuler Atatürk - Airport. Mehrere Hundert Flüge werden hier täglich abgefertigt, kaum wo in der Welt gibt es so viele arabischstämmige Passagiere, die nach Westeuropa wollen.

Der Flughafen ist auch ein Hort für viele junge Syrer, die geflüchtet sind. Hier begegnen sie an diesem Wochenende vielen in der Türkei weilenden Franzosen, die nach der Terror-Welle in Paris schnell wieder zurück in ihre Heimat wollen. Manche von ihnen haben Freunde oder Angehörige bei den Anschlägen verloren, andere wollen ihren Freunden eine Stütze sein, um das von Extremisten an mehreren Orten gleichzeitig verübte Terrorkonglomerat mit knapp 130 Toten verarbeiten zu können.

Eine von ihnen ist die rund 50 Jährige Isabelle L. Ihren echten Namen will sie nicht preisgeben. Ihr Gang ist gebückt, ihr Gesicht voller Tränen. Sie hat ihren Paris-Flug umgebucht und ist auf dem Weg zum Check-in-Schalter. Dort steht eine Gruppe junger Araber und spricht sehr emotional auf Arabisch. „Wegen diesen Terroristen aus eurer Region habe ich meine Tochter verloren, versteht ihr? Verloren. Sie ist nicht mehr da!“, schreit sie auf Französisch. „Perdu“, „Perdu“. Immer wieder wiederholt sie dieses Wort. Isabelles Begleiterin versucht sie zu beruhigen.

Einer der jungen Männer geht auf sie zu und meint, dass auch er diese Woche einen Cousin in Beirut verloren hätte und dass er wisse, wie sie sich fühle. Isabelle sinkt weinend zusammen, der junge Mann setzt sich zu ihr und umarmt sie. „Wann hört das alles auf? Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr“, sagt sie leise. Ihre Beine wippen hin und her. Ein junger Bursche aus dem angrenzenden Cafe, der alles mitbekommen hat, bringt den beiden Tee, Schaulustige unterhalten sich über die Toten in Paris.

„Wie kann Allah das alles zulassen, das verstehe ich nicht. Das ist nicht der Islam. In unserer Religion wird nicht wahllos gemordet. Das ist verachtenswert. Die Terroristen haben angekündigt weiter zu morden. Allah beschütze uns, dass nicht wieder Istanbul betroffen ist“, murmelt ein junger Mann in Türkisch.

Während Isabelle wieder zurück nach Paris fliegt, bleibt ein Gefühl des Unbehagens in Istanbul zurück. Vor allem die Angst der Syrer und Araber, jetzt pauschal für die Terroristen büßen zu müssen ist groß. „Wir müssen das gemeinsam lösen, sonst haben die gewonnen und ihr Ziel erreicht“, sagt einer von ihnen.

Der Flughafen Wien hat seine Kontrollen übrigens, die laut Auskunft eines Sprechers „ohnehin sehr hoch sind“, beibehalten und nicht extra verschärft.