Bandenmäßiger Betrug und Milliardenschaden: Infinus-Prozess beginnt

Dresden/Wien/Salzburg (APA/dpa) - Im Prozess geht es um Hunderte Millionen, der Schaden für die Anleger geht in die Milliarden. Als vor zwei...

Dresden/Wien/Salzburg (APA/dpa) - Im Prozess geht es um Hunderte Millionen, der Schaden für die Anleger geht in die Milliarden. Als vor zwei Jahren die Betrugsermittlungen gegen Infinus bekanntwurden und die Handschellen klickten, brach der deutsche Finanzkonzern zusammen. Nun stehen die Manager vor Gericht. Es gab auch Spuren nach Österreich.

Es geht um Zehntausende geprellte Anleger und viele Hundert Millionen Euro Schaden: Gut zwei Jahre nach ihrer Festnahme beginnt an diesem Montag in Dresden der Prozess gegen sechs Manager der größtenteils insolventen deutschen Infinus-Finanzgruppe. Dem Gründer des Mutterkonzerns Future Business (Fubus) und vier weiteren Ex-Führungskräften werden gewerbsmäßiger Bandenbetrug im besonders schweren Fall und Kapitalanlagebetrug vorgeworfen.

Ein sechster Angeklagter steht wegen Beihilfe vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts. Er war bereits drei Monate nach seiner Festnahme freigekommen. Die übrigen Beschuldigten sitzen schon seit November 2013 in Untersuchungshaft.

Ein Dutzend Strafverteidiger bieten die Angeklagten auf. Drei Staatsanwälte wollen beweisen, dass die Beschuldigten als Hauptverantwortliche ein sogenanntes Schneeballsystem betrieben und etwa 22.000 Anleger um rund 312 Mio. Euro betrogen haben.

Im Kern geht es darum, dass nach Ansicht der Anklage Orderschuldverschreibungen und Nachrangdarlehen mit zu hohen Renditeversprechen gehandelt wurden, die dann nur mit dem Geld von zusätzlich eingeworbenen Anlegern bedient werden konnten. Um den Schein zu wahren, hätten die zuletzt 22 Gesellschaften des Firmengeflechts untereinander Luftgeschäfte abgeschlossen, die Gewinne erwirtschafteten, aber nur auf dem Papier existierten.

Spätestens seit Jänner 2011 müsse den Beschuldigten dieser Schneeball-Charakter bewusst gewesen sein, heißt es in der Anklage. Beim Weiterbetrieb des Systems hätten sie dann in betrügerischer Absicht gehandelt. Der Akt der Staatsanwaltschaft umfasst mehr als 600 Ordner.

Die Anklage bezieht sich nur auf einen Teil der Geschädigten. Tatsächlich vermutet die Staatsanwaltschaft, dass seit 2001 etwa 54.000 Anleger rund 2,1 Mrd. Euro bei Infinus investierten.

Ein Hinweis der deutschen Bundesbank und der deutschen Finanzaufsicht Bafin hatte die Ermittlungen Mitte 2012 ins Rollen gebracht. Als Ende 2013 die Handschellen klickten und die Vorwürfe bekanntwurden, musste ein Unternehmen nach dem anderen Insolvenz anmelden. Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich nach Angaben von Insolvenzverwalter Bruno Kübler allein bei der Fubus auf knapp zwei Mrd. Euro.

Bis Ende des Jahres sind zunächst 13 Verhandlungstage terminiert. Der Prozess dürfte aber bis weit ins nächste Jahr hinneinreichen.

Der Anlegerskandal hat auch Spuren nach Österreich gezogen. Mitte September 2014 hatten Ermittler unter anderem Firmen in Wien und Salzburg gefilzt. 2013 hatte es zudem Razzien bei einem Salzburger Anbieter von Goldsparplänen gegeben, mit denen beschuldigte Infinus-Manager ihre Bilanzen frisiert haben sollen. Eine weitere Österreich-Connection gab es im Versicherungsbereich. Ein beschuldigter Manager soll Anlegergelder illegal in Polizzen der Wiener Städtischen gesteckt haben. Auch der UNIQA-Konzern hatte Geschäfte mit Infinus gemacht, diese aber schon vor Jahren eingestellt.

Zum Jahreswechsel 2013/14 - der Skandal flog im November 2013 auf - hatte die Wiener Staatsanwaltschaft gegen rund 30 Beschuldigte aus dem Infinus-Umfeld Ermittlungen aufgenommen. Im heurigen Sommer hat die österreichische Anklagebehörde den Fall aber an die deutschen Ermittler abgegeben.