Grazer Operetten-“Opernball“: Schweine-Dominos in rosa Lack

Graz (APA) - Rosa Lackdominos mit Schweinsohren werden von schwarzen Lack-Feldermäusen in einem schrägen Etablissement verfolgt und begrapsc...

Graz (APA) - Rosa Lackdominos mit Schweinsohren werden von schwarzen Lack-Feldermäusen in einem schrägen Etablissement verfolgt und begrapscht - die Grazer Oper zeigte am Samstag bei der Premiere von Richard Heubergers Operette „Der Opernball“ kein charmantes Stück Unterhaltung, sondern eine überdrehte Persiflage. Regisseur Bernd Mottl entwarf eine Sammlung von Karikaturen, die Sänger machten ambitioniert mit.

Im üppig mit roten Samtvorhängen dekorierten Salon tummeln sich Gestalten, die in die Entstehungszeit von Heubergers einzigem Bühnenerfolg (Uraufführung 1898) passen. Zwei Ehepaare, das eine gelangweilt, das andere provinziell, die Ehemänner suchen flotte Unterhaltung ohne die Gemahlin am Opernball, die Frauen gehen - einheitlich als rosa Domino maskiert - auch hin, wie üblich erkennen die Männer ihre Angetrauten nicht einmal, wenn es schon fast zum Äußersten kommt, und zuletzt finden sich alle in Frieden und singen eine heitere Schlussnummer. Das Ganze untermalt Heuberger mit einer Musik, die zwar ganz hübsch, aber wenig einprägsam ist.

Regisseur Mottl gestaltete nun die etwas bedächtige Operette gänzlich um. Zunächst wurde eine Textfassung von Peter Lund gewählt, die zwar moderner ist als das Original, aber zwischendurch immer wieder äußert holprig. Raffinierte Änderungen beim einzigen Hit des Stücks von „Komm mit mir ins Chambre separee“ in „Gehen wir ins Chambre separee“ sind natürlich ihr Geld wert, und so erlebt man nun also einen Bilderbogen vom bürgerlichen Salon über einen Club für Lackfetischisten bis hin zur Desillusionierung, wenn das Bühnenbild von hinten und die Darsteller plötzlich im modernen Freizeitlook gezeigt werden.

Bei den Kostümen (Alfred Mayerhofer) wurde ebenso wenig gespart wie bei der Bühne (Friedrich Eggert), alles ist unglaublich üppig und teilweise sehr bunt. Drahtzieherin des amourösen Geschehens ist das Dienstmädchen Hortense, das Sieglinde Feldhofer mit zupackender Bodenständigkeit und hübscher Stimme ausstattet. Gekonnt ihre wenigen Pointen zu setzten weiß Lotte Marquardt (Palmira Beaubuisson), Gerhard Ernst (Theofil Beaubuisson) gibt den noch alternden Lebemann mit durchaus jungen Gelüsten. Als abgebrühte Pariserin und blonde Sirene überzeugte Margareta Klobucar (Marguerite), Nadja Mchantaf ist eine zuletzt nicht mehr so sanfte Angele Aubier.

Die Ehemänner sind bei Martin Fournier (Georges Dumenil) und Ivan Orescanin (Paul Aubier) stimmlich und spielerisch gut aufgehoben. Alexander Kaimbacher steuert als unbeholfener Henri liebenswürdig-heitere Momente bei, Janos Mischuretz (Oberkellner Philippe) entledigt sich der undankbaren Aufgabe, die ganze Verwechslungsgeschichte erklären zu müssen, mit Charme und Augenzwinkern. Musikalisch holt Dirigent Marius Burkert heraus, was möglich ist, und sorgt zusammen mit dem Grazer Philharmonischen Orchester für einigen Schwung.

(S E R V I C E - „Der Opernball“. Operette von Richard Heuberger an der Oper Graz. Neue Textfassung von Peter Lund. Dirigent: Marius Burkert, Regie: Bernd Mottl. Bühnenbild: Friedrich Eggert, Kostüme: Alfred Mayerhofer. Mit: Gerhard Ernst (Beaubuisson), Lotte Marquardt (Madame Beaubuisson), Alexander Kaimbacher (Henri), Ivan Orescanin (Paul Aubier), Nadja Mchantaf (Angele), Martin Fournier (Georges Dumenil), Margareta Klobucar (Marguerite), Sieglinde Feldhofer (Hortense), Janos Mischuretz (Philippe). Karten unter Tel. 0316/8000 oder mailto:tickets@buehnen-graz.at. http://oper-graz.com)